Heidemarie, 50 Jahre, Sekretärin, Single, Mitglied der Kärntner Schreiberlinge, lebt mit ihrem Kater in Villach

Trotz Corona geht es mir rundum gut in meinem Körper…

Wenn ich diesen Satz schreibe, meldet sich als erstes …

…mein Herz. Ich spüre einen Druck auf der Brust, in der Brust, es braut sich, es zieht sich da etwas zusammen. Ich versuche deshalb die Herzseite zu entlasten und den Druck zu ignorieren. Aber er ist resistent, der Druck, bleibt da und meldet sich immer wieder zu Wort. Das Herz meldet sich mit dem Druck zu Wort, es drückt mich, das Herz drückt mich. Soll ich mich drücken, um diesen Druck zu entgehen? Ich würde es sofort tun und mein Herz drücken, um den Druck los zu werden, ziehen zu lassen, abzugeben. Aber ich kann das Herz nicht drücken, so gerne ich es auch möchte. Mein Herz bleibt ohne Drücker, ich bleibe ohne Drücker in dieser gedrückten Zeit. Deshalb ist da ein Druck im Herzen. Deshalb drückt das Herz. Es will sich ausdrücken, das Herz und nimmt dafür den Schmerz, den Druck. Herz, hast du denn keine anderen Ausdrucksmöglichkeiten, als den Druck? Du tust mir weh, Herz und ich bekomme Angst, denn ich habe da einen Druck im Herzen.

Das habe ich noch niemanden gesagt, das kann ich niemanden sagen, einfach so sagen, im Vorübergehen, das hätte Konsequenzen. Blaulicht würde um die Ecke schießen und mich auf eine Bahre legen, anschnallen, zudecken und anschließen. Sie hat einen Druck im Herzen, würden sie sagen und wissend nicken. Das Blaulicht würde heulen und mein Blick ginge ins grelle Neonlicht über mir. Das Neonlicht würde mir den Blick rauben und mich blind machen. Das Herz läuft dann über eine Maschine und spukt Linien aus. Ist alles in Ordnung? Wohin laufen diese Linien? Die Türen des Rettungswagens gehen auf und die Linien laufen davon, laufen auf die Straße, über die Kreuzung. Vorsicht! Das sind meine Herzlinien. Holt sie doch zurück. Was sollen sie da draußen, in dieser gedrückten Welt, holt sie zurück in mein Herz. Aber das drückt doch, das Herz, drückt die Linien nach draußen. Ja, das Herz drückt und schlägt, schlägt und drückt, ruft sich mir ins Gedächtnis, meldet sich unmissverständlich bei mir. Hallo du, ich bin auch noch da, ich bin dein Herz, das drückt, weil es sich nicht mehr drücken kann. Es ist stark, das Herz und drückt sich nicht, es will nur auf sich aufmerksam machen. Eine komische Art hat das Herz, eine Art, die mir Angst macht. Soll ich doch jemanden davon erzählen. Nein! War es das Herz, das da protestiert hat? Es drückt mich, macht mich auf mich aufmerksam durch diesen Druck, sagt, sei vorsichtig, ich drücke dich, sanft und gleichmäßig, nicht zu fest, aber so, dass du mich spürst, dass du meinen Drücker spürst.

Ich würde dich so gerne drücken und stehe doch zwei Meter entfernt von dir. Ich kann es dir nur sagen. Wann werde ich dich wieder drücken können? Ratlosigkeit, Verzweiflung, Traurigkeit und ein Hoffnungsschimmer. Ich werde dich wieder drücken, versprochen, wann auch immer, wie auch immer, wo auch immer. Wir halten durch. Das klingt wie billige Werbung, billige Propaganda. Ist es aber nicht, es ist unsere einzige Möglichkeit, dem Druck zu entgehen. Wir halten durch, wir halten aus, dass wir uns wieder drücken können und der Druck aus dem Herzen weicht, das dann wieder ruhig und gleichmäßig schlägt, ganz ohne Druck.

Und jetzt? Ich werde mit dem Druck leben, leben müssen, wie mit dieser Zeit. Ich muss mit dieser Zeit leben, ich muss in dieser Zeit leben und ich halte durch, halte aus, das trommelt nicht aus dem Radio, das sagt mein Herz zu mir und ich sage es zu dir. Es ist unsere einzige Möglichkeit, unser Licht in dieser dunklen Zeit.

Es drückt, das Herz, will es aus dem Brustkorb heraus? Wo will es hin, das Herz? Ich brauche es doch, das Herz, auch wenn es drückt und mir den Schlaf nimmt. Ich drehe mich dann auf die andere Seite. Diese andere Seite ist dann beleidigt auf mich und greift zu druckloser Widerrede: Immer schützt du die Herzseite und lässt mich alles tragen. Ich habe zwar kein Herz, aber es wäre schön, wenn du auch einmal an mich denken würdest, denn ich drücke dich nicht. Ich bin deine treue Dienerin. Deine herzlose Seite steht für dich da, steht für dich ein und trägt alles, was du ihr auch aufbürdest. Aber irgendwann geht auch mir die Kraft aus, ist die herzlose Seite am Ende und dann drücke ich dich auch, obwohl ich kein Herz zum Drücken habe, drück ich dich, wenn du mich durchs Leben drückst, ob ich will oder nicht.

Es schlägt, das Herz, es schlägt für mich. Der Herzschlag gehört mir, du kannst ihn nicht hören, denn du musst Abstand halten und drückst mich in Gedanken. Ich hasse diesen Abstand. Ich will in deine Arme fliegen, ich will in deinen Armen untergehen. Aber da ist diese Angst, dieser Druck, der mich den Abstand einhalten lässt. Einmal werde ich dich wieder drücken und du wirst mich drücken. Der ganze Druck wird von uns abfallen. Wir werden drucklos sein, schweben durch die Zeit und das Herz wird in Leichtigkeit frohlocken. Der ganze Druck wird vergangen sein. Nur manchmal wird die Hand ganz zärtlich die Herzseite berühren, den Schlag spüren und sich an den Druck erinnern, an den Druck des Herzens in jener längst vergangenen Zeit.