Astarte, 68, gehbehindert, wohne mit Mann und drei Kindern im eigenen Haus mit Garten rundherum. Bin trotzdem meistens alleine und raffe mich kaum auf, das Haus zu verlassen

Ein ganzer Tag Corona-frei?

Es ist mir fast peinlich, aber ich frage mich, ob ich irgendetwas damit anfangen könnte. Meine Knie wären immer noch kaputt und ich hätte immer noch keine Lust, das Haus zu verlassen. Meine privaten Probleme wären auch die gleichen

Ja, wenn ich zaubern könnte und sich alles so richten würde, wie ich es gerade wollte, dann wäre ich an diesem Tag bei einem Seminar in „meinem“ Bildungshaus in St. Arbogast.

Das heißt, ein interessanter Kurs müsste gerade stattfinden und ich müsste angemeldet sein und einen Platz bekommen haben, usw., usf.

Vielleicht wäre das gerade ein Schreibseminar mit Barbara Pachl-Eberhart und so mancher von den Menschen, mit denen ich hier per Zoom nur kurz und nur per Bildschirm in Kontakt treten kann, wäre persönlich anwesend. Wir könnten miteinander essen und lachen und natürlich schreiben und uns auch körperlich nahe sein, wenn wir unsere Texte vorlesen.

Am Ende des Kurses würden wir uns mit ziemlich wenig Körperabstand tief in die Augen blicken, würden uns noch etwas Wichtiges mit auf den Weg geben, etwas ganz Persönliches wahrscheinlich, und dann wäre dieser magische Moment gekommen, wo wir uns innig in den Arm nehmen und ganz fest drücken würden, vielleicht länger, als wir es noch vor einem Jahr getan hätten, weil niemand weiß, wann es wieder einmal eine Gelegenheit dazu geben würde.

Am Ende des Seminars könnte mich mein Mann in St. Arbogast abholen und wir würden noch in unserem Lieblingsrestaurant einkehren und uns was Gutes zum Essen bestellen.

Anschließend könnten wir ins Theater gehen, natürlich würde ausgerechnet an diesem Abend eine phantastische Acapella-Gruppe ein unterhaltsames und wohltönendes Programm zum Besten geben.

In der Pause würden wir noch irgendwelche Bekannte treffen, die wir schon lange nicht mehr gesehen haben, und wir würden uns für nach dem Konzert zu einem Umtrunk verabreden. Da würden wir dann tratschen, miteinander anstoßen, Witze reißen und zuletzt würden wir gar vor lauter guter Laune anfangen, miteinander zu singen, bis wir Punkt 12 Uhr in Gottes Namen nach Hause gehen müssten.

Ich frage mich gerade, ob ich vor Corona je so einen perfekten Tag erlebt habe. Ne, eher nicht.