…habe ich es ganz krass im Ersten Lockdown, zu spüren bekommen.
Plötzlich war alles anders.
Plötzlich war alles schwieriger.
Plötzlich war da auch Angst.
Da war zum Beispiel der Anruf vom Pflegedienst bei uns im Ort.
Liebe Frau Wolf, leider können wir vorerst die nächsten 2 Wochen nicht zu Ihnen kommen. Viele vom Personal haben sich krankgemeldet, müssen auf ihre Kinder aufpassen (die nicht in den Kindergarten oder in die Schule können) oder sind gar selbst Risikopatienten und sind erst einmal beurlaubt. Es muss erst einmal geschaut werden, alles neu organisiert. Wir melden uns!
Etwas später der Anruf von meiner langjährigen Physiotherapeutin.
Hanna, unsere Praxis ist vorerst für 2 Wochen geschlossen. Wir wissen noch nichts genaues. Wissen noch nicht wann wir wieder öffnen dürfen. Wir müssen erstmals schauen, alles neu organisieren. Wir melden uns. 3 mal Lymphdrainage und 2 mal Krankengymnastik in der Woche fallen einfach weg.
Danach meldet sich die Apotheke bei mir.
Frau Wolf, es tut uns sehr leid. Eines ihrer Medikamente ist zur Zeit nicht lieferbar. Es gibt Lieferschwierigkeiten und wir wissen nicht, wann es wieder zur Verfügung steht. Ein Medikament, was man nicht einfach mal so absetzen kann.
Langsam bekomme ich Angst!
Wo führt das alles noch hin?
Ich bin, wie viele andere Menschen auch auf diese Medikamente, Dienstleistungen angewiesen.
Wichtige Arzttermine werden verschoben. Blutabnahmen, werden von wöchentlich auf zweiwöchentlich gesetzt.
Frau Wolf „Es ist zu gefährlich für sie!“ Ich soll doch bitte nicht einkaufen gehen, also wird fortan ins Haus geliefert.
Freunde halten sich von mir fern. Nicht weil sie mich nicht mehr mögen sondern aus Angst mich anzustecken. Dadurch fallen auch Hilfen im Alltag für mich weg. Maike, arbeitet als Lehrerin. Verena, im Krankenhaus, Sabine im Altenheim. Vieles war vorher geregelt. Einer war immer mal da. Ich fühle mich immer mehr isoliert.
Mein Mann arbeitet in Hannover. 200 Kilometer von Zuhause entfernt. Er kommt eigentlich nur am Wochenende und hat dort ein Zimmer. Nun fährt er täglich nach der Arbeit, um mich zu unterstützen. Das zerrt ziemlich an den Nerven und bis zu 600 Euro Tankgeld im Monat, ist da nichts.
Corona tut mir nicht gut. Körperlich geht es mir immer schlechter.
Und dann ist da auch noch meine Mutter. Sie hat Demenz, lebt in einem Wohnheim mit Tagespflege. Sie weiß nichts von Corona bzw. immer nur ganz kurz. Sie versteht nicht warum wir sie nicht besuchen kommen. Sie ist sehr wütend auf uns! Und ich bin traurig!!!