Corona betrifft mich , ja, Corona hat mein Leben verändert und zwar beim Einkaufen. Während der ersten Monate des harten Lockdowns, als man in Italien die Wohnungen nicht verlassen durfte, außer zum Einkaufen, gestaltete sich letzteres jedoch als äußerst schwierig. Nur einer Person pro Familie war es erlaubt einzukaufen und nur eine gewisse Anzahl an Kunden durften sich gleichzeitig im Supermarkt aufhalten. Unendlich lange Schlangen bildeten sich wochenlang vor den Supermärkten.
Einmal war es eiskalt und ein bissiger Wind blies . Nach einer Stunde war ich, halb erfroren, endlich an der Reihe, ausgerüstet mit Mundschutz, Handschuhen und Desinfektionsmittel. Einmal drinnen, war die erste Hürde geschafft. An der Kasse hinter durchsichtigen Plastikwänden keiften die Verkäuferinnen, sobald man sich ihnen zu sehr näherte. Man durfte die Lebensmittel nur ganz hinten auf das Fließband legen. Wieder draußen, mußte man Mundschutz und Handschuhe entsorgen. Meistens war ich in dem Augenblick schon schweißgebadet und total gestresst. Zu Hause stand dann mein Mann bereit, die Lebensmittel kamen auf den Balkon, wo sie desinfiziert wurden, bevor man sie wegräumen konnte.
So manch einer wird mich jetzt fragen, warum nicht Online einkaufen und sich das Essen bequem nach Hause liefern lassen? Probiert habe ich es, blieb ganze Nächte auf, um einen freien Termin für eine Lieferung zu ergattern, der Finger allzeit bereit, auf die Tastatur des PCs zu springen. Aber andere waren immer schneller. Neidisch schauten wir auf die Lieferwägen, die am Wohnhaus vorfuhren und andere versorgten. Das Besorgen von Lebensmitteln stand monatelang im Mittelpunkt des eigenen Lebens, bis sich nach 2 Monaten die Situation ein wenig normalisierte. Nicht immer konnte man gesund essen, denn nicht immer hatte man etwas zu Hause. Nudeln mit Tomatensoße gingen immer. Nun kaufe ich bewußter ein, es muß für eine Woche reichen. Ich freue mich darüber, dass Einkaufen jetzt so leicht scheint.
Coronna betrifft mein Leben, denn die Kündigung meines festen Jobs fiel in die Corona-Zeit . Ich wollte mehr Zeit für mich haben, mehr reisen , mehr Zeit mit meinem Mann und meiner kleinen Nichte verbringen . Zeit hab ich jetzt mehr als erwartet, nur kann ich nicht reisen, meine Nichte sehe ich nur über Skype. Wir haben gelernt, über Skype zu spielen, ihre Phantasie ist unerschöpflich. Wir sehen uns jetzt öfters , regelmäßiger als vorher und der Austausch ist sehr intensiv. Eine innige Verbundenheit. Trotzdem fehlt das Knuddeln , das Umarmen, das Kuscheln und ich habe das Gefühl, kostbare Lebenszeit geht mir gerade verloren. Die Sehnsucht nach ihr, die Liebe für sie sind mir stärker bewußt als vorher.
Corona betrifft mich persönlich, und zwar mache ich 2 mal pro Woche Yoga über Zoom. Nach dem Yoga muss ich mich nicht umziehen, das lästige U-Bahnfahren fällt weg. Die laute Welt bleibt draußen, ich bleibe entspannt und rolle von der Yogamatte direkt aufs Sofa. Manchmal , wenn eine Übung zu schwierig für mich ist, dann schalte ich das Video ab, keiner sieht mich oder hört mein Keuchen während einer für mich anstrengenden Übung .
Corona betrifft mich, denn gleich während der ersten harten Monate des Lockdowns im März und April 2020 hat es mir sehr gut getan, keine Verpflichtungen zu haben, außer Einkaufen. Nichts mehr zu müssen, war eine Erleichterung.