Anka, 65 Jahre, 2fache Mama u. Oma, nach 45 Berufsjahren jetzt in Rente

Corona betrifft mein Leben…

…es bringt mich dazu meine ganze Lebenssituation zu hinterfragen.

Meine Lebenssituation als „Senior“ , „Silverager“, “ Powerager“ und all die netten Umschreibungen für’s alt sein. In der Corona-Berichterstattung klingt das ja nicht so schön. Da ist dann von „Risikogruppen“ die Rede, die eher anfällig für schwere Verläufe sind. Die Endlichkeit wird mir bewusst und auch die Angst kommt hoch, dass mir Restlebenszeit genommen werden könnte. Durch Corona fühle ich mich zum ersten Mal in meinem Leben alt, jetzt betrifft es mich, das Alter.

Wenn ich in den Spiegel schaue, da ist es da, das vielzitierte Corona-Brennglas, welches jede neu hinzugekommene oder vertiefte Falte ausleuchtet wie ein Scheinwerfer. Bin ich seit meinem letzten tollen Abenteuerurlaub erst 1 Jahr gealtert? Es sieht für mich nach 2 Jahren aus. Wieso ist das so? Macht man sich zu viele Sorgen, hat man zu viel Kummer in dieser außergewöhnlichen Zeit ? Kummer macht alt, so sagt man. Eingesperrte Lebensenergien, die mit Freude gelebt werden wollen sind blockiert und fordern deshalb ihren Tribut. Ob das wohl daran liegt ? Die Knochen schmerzen mehr denn je – die Einsamkeit lenkt nicht ab von dem was ist oder vielleicht auch schon da war. Oder sind es die Verspannungen, die Spannungen in dieser spannenden Zeit. Es lenkt den Blick nach innen auf das was ist.

Was ist mit mir, mit meiner Lebenssituation – zurückgeworfen auf das Alleinsein taucht immer wieder die Frage auf : will ich das so weiter ? Und was will ich dann ? Was bin ich ohne das ganze Drumherum, was jetzt einfach abgeschnitten ist… und mir auch oft zu viel war. Die knallharte Auseinandersetzung mit dem alt werden, Alleinsein und Rente holt mich oft ein. Aber vielleicht ist das auch gut so. Man kann ja neue Wege gehen. Von Aktivitäten im Netz nie besonders angetan entdecke ich jetzt doch so manches, was mein Leben bereichert. Das hätte ich mir so nie vorstellen können. Die neue Zeit, das neue Zeitalter, “ Wassermannzeit“, in der sich ja angeblich alles wandelt und der Fortschritt wichtig ist. So nehme ich das gezwungenermaßen an, denn meine Pläne fürs Rentnerdasein nach 45 Jahren Arbeit wurden ja ausgeknockt. Es geht nicht mehr nach meinem Kopf.

Und es soll wohl so sein. Annehmen von dem was ist – auch was möglich ist – und dankbar sein für das was man hat und hatte. Sich nicht blockieren lassen, offen sein für Neues, Energien fließen lassen trotz allem ist wohl meine momentane Aufgabe. Damit leben – gut leben mit dem was ist. Manchmal keimt sie ja auf, die Freude am Wandel und den neuen Herausforderungen. Mir fällt auf, dass ich mich im Grunde ganz gut mit der neuen Situation arrangieren kann. Und ja – Corona betrifft mein Leben massiv. Ganz vieles, was mich und mein Leben ausgemacht hat ist weggebrochen. Das in Verbindung mit Eintritt in die Rente eine harte Nuss. Aber ich habe erkannt, dass ich auch einen Sprung nach vorne gemacht habe, weil ich die gewohnten Pfade verlassen muss… im Grunde doch eine positive Erfahrung in Coronazeiten.