…ist der Schreibstift.
Er war schon warmgeschrieben, als der ganze Zirkus begann, weil ich drei Monate zuvor bei einem Schreibseminar zum Jahresende teilgenommen hatte. Der Kurstitel hatte gelautet: „Ich sammle meine Schätze ein.“
War das schön, mit Stift und Papier in einer Runde Gleichgesinnter zu sitzen, ohne Masken, ohne Abstand, ganz präsent und nah und greifbar. Da glühte mein Schreibstift, und mit ihm meine Wangen und mein Herz.
So wie jetzt, heute, hier… 14 Monate später. 14 Monate, in denen sich die Welt sehr verändert hat, sowohl im Großen und Ganzen als auch im Kleinen und Feinen.
Veränderung… ein Wort, das ich in dieser Zeit zu schätzen gelernt habe. „Veränderung“ ist der neutrale Vermittler zwischen „Gut“ und „Schlecht“. Vieles ist anders geworden: manches herausfordernder, anderes leichter.
Mein Schreibstift ist der konstante Faktor in all den Veränderungen, die uns das unsichtbare Virus beschert hat. Mein Stift macht sichtbar, was gerade da ist… und wenn es nur Fragezeichen sind.
Meistens aber ist es viel mehr als das, was er auf das Papier und auf den Punkt bringt.
Oft sind es wahre Schätze, die mein Schreibstift mit mir einsammelt.
Werfen wir einen Blick in meine Schatzkiste:
Da sind Momente, die dokumentieren, dass jeder Tag etwas Besonderes ist.
Da sind Briefe von Herz zu Herz.
Da ist ein prall gefülltes Tagebuch, da ist ein kleines Listen-Büchlein mit dem Titel „Was ich liebe“, da ist ein Ideen-Sammelbuch und, recht neu, ein Buch mit Botschaften, die mir meine Seele mit Hilfe des Schreibstiftes schickt.
In meiner Schatzkiste sind auch Freunde, die ich nur gefunden habe, weil mein Schreibstift mir geholfen hat, mich zu öffnen und einen neuen Ausdruck zu finden.
Mein Schreibstift liegt tatsächlich in einer Schatzkiste, einer Holzkiste mit blau-weiß-goldenen Ornamenten. Eine Freundin hat sie mir geschenkt, und sie ist für mich so besonders wie ihr Inhalt.
Genau genommen ist es nicht DER Schreibstift, der in der Corona-Zeit für mich besondere Bedeutung gewonnen hat. Es sind viele, eine bunte Auswahl an Möglichkeiten, die ich nach Lust und Laune variieren und kombinieren kann: Farb- und Filzstifte in verschiedenen Farben, Kugelschreiber, Bleistifte, Füllfedern.
Im Moment hat der Stift die größte Bedeutung für mich, mit dem ich gerade schreibe.
Im Moment gibt es nur ihn und mich… und das, was durch uns schreibt.
„Don’t worry, be happy!“, steht auf dem Kugelschreiber, der jetzt in meiner Hand liegt. Mehrfach steht es da, in fröhlichen Farben und verschiedenen Schriften, auf etwas gedruckt, was wie Zeitungsartikel aussieht.
Zufall? Oder eine treffende Symbolik für die Zeit, in der wir leben.
Beides ist da: Im Hintergrund die Zeitungsartikel, die Fakten und Zahlen, die Verordnungen und Maßnahmen, das Schwarze und Weiße, das Beängstigende und Besorgniserregende.
Im Vordergrund wir Menschen in unserer Vielfalt, unseren Farben, unserer Einzigartigkeit, unserer Individualität, unserem Erleben, unserem Fühlen.
Für mich ist das so: DAS ist immer noch im Vordergrund, das kann uns nichts und niemand nehmen.
So schreibt es mein Schreibstift, und der hat grundsätzlich Recht.
„Don’t worry, be happy!“, sagt er.
Ist das zu einfach? Wahrscheinlich. Aber im Moment passt es. Weil ich schreibe. Weil ich verbunden bin. Weil ich in Gemeinschaft bin.
Morgen kann die Welt schon wieder anders aussehen, das wissen wir mittlerweile nur zu gut.
Aber: komme, was wolle… Papier und Stift kommen mit.