Katrin Schuh, wohnhaft im Kreis Balingen, Deutschland, Clownin, Kursleiterin für Encausticmalerei ,62 Jahre alt, im Haushalt lebende 89jährige Mutter, ihr Mann (Pensionist), ihr Hund und zeitweise ihr 26jähriger Sohn

Ein Gegenstand, der in der Corona-Zeit für mich besondere Bedeutung gewonnen hat, ist…

Meine große Blümchen – Tasse ist mir jetzt so wichtig geworden. Ich besitze sie schon mindesten seit drei Jahren. Sie stand lange nur im Regal. Ich habe sie mir gekauft weil die Form so schön ist und sie einen wunderschön geformten Griff hat. Jetzt wird sie jeden Tag benutzt seit ich Corona hatte. Die blauen, türkisfarben, lila und grünen Blüten auf hellgrauem Hintergrund stimmen mich froh und erinnern mich an eine Frühlingswiese. Der orangene Rand sagt mir; hier ist Schluss, Ende jetzt läuft die Tasse gleich über. Diese Tasse verleitet mich viel zu trinken, denn es passt der Inhalt von mindestens drei normalen Tassen, hinein.

Ich trinke oft zu wenig weil ich mit allem Möglichen beschäftigt bin. Der Kopf ist ist so voll und funktioniert doch nur wenn er genug Flüssigkeit bekommt.

Meine schöne große Tasse bedeutet für mich wenn ich sie gefüllt habe; jetzt ist Pause! Die ich wieder dringend brauche. Es überrollt mich sonst alles in dieser schwierigen Zeit.
Jetzt trinke ich in Ruhe meinen Chai Tee und kann drumherum alles vergessen.
Pause! Wenn ich genussvoll, Schluck für Schluck meinen Chai trinke, freue ich mich schon auf den Boden der Tasse.

Es dauert schon noch eine Weile bis die Tasse leer ist. Ich umschließe die Tasse mit meinen Händen, spüre die Wärme, die von ihr ausgeht. Das tut auch meinen Händen gut. Meine Hand passt ganz durch den riesigen Henkel.

Schluck für Schluck trinke ich aus meiner schönen, großen Blümchenentasse bis ich den Boden sehe. Ich freue mich über die blaue Blume die zu Vorschein kommt.

Ich frage mich wer die Tasse wohl entworfen hat ? Wer hatte die Idee zu so einer schönen, großen Tasse mit den unregelmäßigen Blüten? Wer die Tasse wohl geformt und bemalt? Ich denke mir es ist jemand der so gerne in der Natur ist wie ich. Ein Mensch der blau, lila, türkis und grün liebt.

Vielleicht hat jemand, in Gedanken, die Tasse für mich gemacht. Sie ist mir ans Herz gewachsen. Jeden Tag fülle ich sie wenigstens einmal. Es ist eine Wohltat aus ihr zu trinken. Sie ist meine Freundin geworden.

Ich habe sogar mein Porridge, am Morgen schon daraus gegessen. Sie ist ja so groß wie eine Suppentasse also kann ich auch daraus essen.

Wenn ich in einer winzigen Hütte wohnen würde und müsste mich total einschränken mit allem was ich besitzen könnte, dann ersetzt meine Tasse schon sehr viel und ist platzsparend.
Niemand aus der Familie darf sie benutzen.
Ich will auch mal was für mich. Es darf sie auch niemand spülen und in die Spülmaschine kommt sie auf gar keinen Fall.
Sanft und sorgfältig spüle ich sie selbst und trockne sie liebevoll ab.

Jetzt fällt mir ein woher ich die Form meiner Tasse kenne.
Die Form war mir von Anfang an vertraut.
Alice im Wunderland. Da kommt sie her, aus dem Wunderland.
Ein Stück Kindheit wird wieder lebendig mit dem Glücksgefühl wenn ich meine Tasse in Händen halte. Auch eine Tasse kann glücklich machen.

Was hatte ich doch für ein ungeheures Glück diese Tasse zu finden in einem Geschäft das eigentlich hauptsächlich Kleidung verkauft. Ich hatte gar nicht vor eine Tasse zu kaufen. Sicher hat sie da auf mich gewartet…

…und jetzt leben wir zusammen bis an unser Lebensende.

Wir sind beide noch ganz heile, drum dauert unser Leben hoffentlich noch eine Weile.