Anna, 53 Jahre, Naturliebhaberin, begeisterte Pilgerin, arbeitet im sozialen Bereich, lebt in einer Stadt im Westen Österreichs

Ein Gegenstand, der in der Coronazeit für mich besondere Bedeutung gewonnen hat, ist…

…viereckig und im A4-Format. Es ist mein Schreibblock, der mit dem Kugelschreiber eine Einheit bildet.

Gemeinsam sind wir ein gutes Team. Zeile für Zeile tragen sie mich auf dem Rettungsboot über das Antivirusfahrwasser. Es macht mich froh, fast täglich mit dem linierten Papier ins Zwiegespräch zu kommen. Das Blatt hört geduldig zu, vermittelt mir ein Gefühl der Sicherheit in dieser wirren Zeit. Schreiben ankert mich und erdet obendrein. Meinem Notizblock kann ich meine Gefühle anvertrauen, er verdreht nicht die Augen, wenn es einmal zu ausführlich wird. Er nimmt auf: Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort, führt mich an der Hand, wenn es schwierig wird.

In der Anfangsphase, als Corona begann, war ich wie gelähmt. Ich befand mich in einer Art Schockstarre, die Angst vor einer Ansteckung nahm mein ganzes Wesen in Beschlag. Ich hatte weder Lust zu lesen, noch mich in irgendeiner Weise kreativ zu beschäftigen. Ich war einfach erschöpft von den Bildern und Meldungen, die auf mich einprasselten. Jeden Tag Zahlen von Neuinfektionen etc. All das stresste. Dann begann ich auf News zu verzichten, eine große Erleichterung.

Bald schon begriff ich, ich wollte aktiv werden anstatt in passiver Erwartungshaltung auf das Ende zu warten. Da säße ich heute noch… Es war eine Wohltat zu kommunizieren, ich begann noch regelmäßiger zu schreiben, las mir manche Text vor.

Gedanken flossen aus der Hand und schon nach ein paar Seiten spürte ich Erleichterung. Schreiben bedeutet für mich Rettungsseil in der Not, gibt mir Struktur, ist mir zur lieben Gewohnheit geworden. Es gleicht einem Entleerungsprozess: Wut, Angst wird aufgefangen, Virusstress reduziert. Die Wichtigkeit über Corona zu schreiben war ursprünglich nicht mein vorrangiges Ziel, eher habe ich mich dagegen gewehrt. Aber ich bemerke, wie es Raum für Neues schafft.

Schreiben, ein Ventil um Dampf abzulassen, Ballast abzuwerfen, Ordnung ins Gefühlchaos zu bringen, mir über vieles, das diffus in meinem Kopf herumschwirrt im Klaren zu werden. Mein Notizblock liegt immer bereit, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Ich bin dafür sehr dankbar…