Ein Gegenstand, der in der Corona-Zeit für mich besondere Bedeutung gewonnen hat, ist mein Fahrrad. STELLA. Vielleicht ist das für Andere nur der Name der Marke. Für mich heißt sie so: STELLA. Ich bin eben unterwegs auf STELLA-Tours. Sie, das so schöne weiße Fahrrad mit roten und schwarzen Akzenten, begleitet mich schon seit dem 15. März 2019. Also schon ein Jahr vor Corona. Ich habe STELLA gekauft, als ich die Entscheidung getroffen habe zur Frage: „Kaufe ich mir ein Sofa oder ein eBike? Was brauche ich? Was wird mir mehr guttun?“
Die Antwort ist zugunsten von STELLA ausgefallen. Ich bin darüber an jedem Tag so froh. Es war klar: ich will mich bewegen. Das tut mir gut. Ich will und ich muss draußen sein. Wind und Weite und Natur riechen und spüren und wohl auch im Wortsinne er-fahren. Laufen, wandern, joggen gar oder spazieren gehen ist nicht so meins. Dabei fühle ich mich alleine komisch. Ich will mich aber spontan draußen bewegen, ohne eine Verabredung kompliziert treffen zu müssen.
Was habe ich denn als Kind gerne gemacht? Fahrrad fahren! Immer. Überall hin. Manchmal sind wir zur Eisdiele mit dem besten Eis in den Ort auf der anderen Rheinseite gefahren. Bestimmt waren das 20 km. Für nur eine Strecke. Ich habe es geliebt! Und das Eis war so sehr gut!
Ich mochte also immer schon Fahrradfahren. Nur hier, am Rand des Bergischen Lands und mit Alters- und Gewichtszunahme hat es mit dem alten Rad mit Dreigangschaltung nicht mehr funktioniert. STELLA aber, mein Bike mit dem „e“, bringt mich Steigungen ´rauf, vor denen ich sonst kapitulieren müsste.
Viel geradelt bin ich auch im ersten Jahr mit ihr schon. Seit 2020 aber, mit Corona, ist und war es nochmal anders. Rausfahren. Weg von den Stellen, an denen sich die Leute mit Sehnsucht nach Natur knubbeln. Weg vom Trubel. Alleine unterwegs sein können mit Abstand. Manchmal bin ich extra, extra schnell gefahren, mit der größtmöglichen e-Unterstützung, damit der Fahrtwind alles Schwere von mir wegreißt. Dann wieder brauchte ich Dahingleiten. Ich wollte sehen, wo das Wiesenschaumkraut wächst und ob die Gerste auf dem Feld unterhalb der Rheinbrücke schon wieder ein bisschen mehr gereift ist. „Fields of Gold“ im Sinn. Sehnsüchtig sein geht übrigens auch gut auf dem Rad. Der Fahrtwind nimmt so manche Träne mit.
Meine schönste Tour war vielleicht die am Ostersonntagmorgen: Losradeln um halb acht. Im Gepäck eine dicke Scheibe vom saftiggelben Zitronenkuchen, den ein Freund für mich gebacken hat. Verstaut in der roten Dose mit weißen Tupfen. 10 km mit vielen Steigungen. Ich bin etwa eine halbe Stunde unterwegs zur Blauen Bank. Nun frühstücke ich dort. Auf meiner Lieblingsblauenbank am Ostersonntagmorgen esse ich Zitronenkuchen mit dem Blick auf die Stadt und mit der Ostersonntagsmorgensonne im Rücken. Vor allem aber mit der Gewissheit im Herzen: Gleich fahre ich zu Euch. Mit dem Auto an den Niederrhein. Wir sehen uns nach so vielen Wochen endlich wieder. Im Garten. Mit Abstand. Und mit ganz viel einander Nah Sein.