Ein Gegenstand, der in der Coronazeit eine ganz besondere Bedeutung für mich gewonnen hat, ist mein Laptop. Er ist neben dem Telefon zu einem wichtigen neuen Kommunikationsmittel geworden. Klar habe ich auch vor Corona schon damit gearbeitet und kommuniziert, z.B. über Mails – aber Online-Treffen waren mir bisher unbekannt.
Corona beeinflusst unsere Kontakte nicht nur in der Arbeitswelt. Auch im privaten Bereich heißt es: „#WirbleibenzuHause“ . Nie zuvor war ich so eng an meine Wohnung und das nahe Lebensumfeld gebunden wie heute. Keine Freundinnen und Freunde treffen, nicht gemeinsam im Café oder Restaurant sitzen, keine Kulturveranstaltungen besuchen, nicht das tun zu können, wonach mir der Sinn steht belastet mich sehr. Ich fühle mich oft wie eingesperrt. Dieser Zustand dauert nun schon ein ganzes Jahr und ein Ende ist nicht abzusehen. Meine Pläne für die Zukunft hängen davon ab, wie sich Corona weiter entwickelt. Es gibt nichts, worauf ich mich freuen könnte.
Was also tun, um nicht komplett die Lebensfreude zu verlieren? Eine Freundin plante in ihrem Job ein Online-Meeting. Da sie sich mit dieser neuen Kommunikationsform nicht auskannte, bat sie mich das Versuchskaninchen zu spielen, um die Technik und das Programm zu testen. Sie lud mich eines Tages zum Meeting ein und wir trafen uns face to face im Arbeitszimmer – sie in ihrem und ich in meinem. Wir hatten uns lange nicht gesehen und es war zu Anfang etwas ungewohnt, auf diese Art und Weise miteinander zu plaudern. Am Ende blieb aber eine sehr positive Erfahrung, sich mal wieder „gesehen“ zu haben. Deshalb wiederholten wir solche Gespräche und veranstalteten an ihrem Geburtstag ein Online-Sekt-Frühstück – sie in ihrem Wohnzimmer und ich in meinem.
Einige Tage nach diesen kleinen Versuchen meldete ich mich mutig zu den Online-Veranstaltungen meines Sportvereins an. Das Angebot gab es schon längere Zeit, aber ich hatte bisher immer Hemmungen, daran teilzunehmen. Virtueller Sport – wie sollte das gehen? Meine erste Online-Sportstunde war dann auch sehr ungewohnt. Erfreut war ich, dass ich meine Sportgruppe wieder traf. Die Übungsleiterin sagte in gewohnt witziger Art und Weise die Übungen an – so wie vor Corona in der Turnhalle. Aber die Situps, Stretching- und Kräftigungsübungen alleine auf dem Wohnzimmerteppich waren zuerst schon gewöhnungsbedürftig. Nach einigen Veranstaltungen bin ich aber nun froh, dabei zu sein. Wenn die Technik es erlaubt und das Internet nicht dauernd abstürzt haben wir Spaß „zusammen“ und mein Körper bedankt sich herzlich für die regelmäßige Bewegung.
Nach und nach verliere ich die Skepsis gegenüber solchen Video-Chats. Sie bringen mir Kontakte, Abwechslung und Freude in mein Leben. Ich „treffe“ mich mit Freunden und Bekannten nun regelmäßig. Wir plaudern ein wenig und vor ein paar Tagen wurde ich gefragt, ob ich nicht einen meiner Fotovorträge über Zoom präsentieren möchte. Mal sehen, wie das klappen wird. Ich staune, was mit der Software einer Online-Plattform alles möglich ist. Da funktioniert sogar ein Schreibkurs mit über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, der mir großen Spaß macht und meine Kreativität anregt.
Auch für die Arbeitswelt sind Online-Meetings sicher eine Bereicherung. Sie erleben in Coronazeiten gerade einen regelrechten Aufschwung. Viele arbeiten im Homeoffice und können so Familie und Beruf oft besser vereinbaren. Gerade Frauen kommt diese Art zu arbeiten bestimmt sehr entgegen. Dienstreisen könnten mit Online-Meetings fast überflüssig werden. Damit sparen Unternehmen Reisekosten und für die betroffenen Menschen bedeutet das weniger stressige Kurztrips um die Welt und mehr Zeit und Muße für andere Dinge. In Zeiten des Klimawandels werden darüber hinaus auch noch Energie und umweltschädliche Immissionen eingespart.
Trotz einiger Erleichterungen, die mir mein Laptop in der Coronazeit bringt, bin ich aber froh, wenn ich ihn nicht mehr als virtuelle Kontaktmaschine brauche. Es wird dringend Zeit, dass wir wieder unbeschwert miteinander leben und bei Geburtstagen in der realen Welt miteinander sektfrühstücken können.