Elisa, 68 Jahre, lebt mit Hund irgendwo in Deutschland

Corona, die Krankheit

Als im vergangenen Jahr die Zahl der an Corona erkrankten Menschen immer schneller anstieg, stieg auch die Sorge, dass es mich selbst oder mir nahestehende Menschen jederzeit treffen könnte. Erschreckend war mir insbesondere der Gedanke, wie schnell und vor allem wie unbemerkt das geschehen und wie rasant der Verlauf dramatisch werden kann. Diese Gedanken waren lähmend. Die in den Nachrichten gezeigten Fernsehbilder wird man nie wieder los. So könnte ich auch daliegen. Das macht mir eine Wahnsinnsangst. Als beatmeter Patient ist man völlig hilflos und abhängig, liegt im Koma. Aber die Entscheidung, die Zustimmung dafür oder dagegen muss man selbst treffen, ohne zu wissen, wie es weiter geht, ob und wann man wieder wach wird. Die Vorstellung, wie das für meine Familie wäre ist nahezu unerträglich.

Es nützt nichts, die Augen zu verschließen und die Realität auszublenden. Ich habe damit begonnen, einen Nachlassordner anzulegen, in dem alles Wichtige seinen Platz hat. Der wird für die Familie eine große Hilfe sein, wenn es nötig wird. Fertig bin ich damit noch lange nicht, dabei könnte es doch schon morgen wichtig werden. Trotzdem schiebe ich es weiter vor mir her. Niemand von uns weiß, wann er gehen muss. Es kann auch ohne Corona schnell und völlig überraschend sein. Darüber denken wir kaum nach. Aber das Virus macht Angst, weil es so unbemerkt kommt und so unberechenbar verläuft.

Ich weiß nicht, was ich tun würde, wenn ich an Corona erkranken würde. Würde ich darauf vertrauen, dass es einen guten Ausgang für mich nimmt? Solange der V erlauf ein milder ist, kein Problem. Was aber wenn nicht? Würde ich verzweifeln? Ich fürchte ja.

Nein, ich wünsche mir nicht, an Covid19 zu erkranken. Solche Tage gab es nicht und wird es für mich wahrscheinlich auch nicht geben. Manchmal wünsche ich, an Corona erkrankt gewesen zu sein. Das ist etwas anderes. Ich würde versuchen, für Betroffene da zu sein, Hoffnung zu geben, mit ihnen zu beten.

Auch in unserer Familie gab es Infektionen. Eine ganze Familie war infiziert. Mein Neffe hat eine schwere Grunderkrankung und wir haben das Schlimmste befürchtet. Aber es wurde kein Krankenhausaufenthalt nötig. Trotzdem grenzt es an ein Wunder, dass es ihm heute wieder relativ gut geht.

Die Tochter einer Freundin hatte ebenfalls Corona. Der Verlauf war gar nicht so schlimm, auch hier kein Krankenhausaufenthalt erforderlich. Trotzdem leidet sie sehr unter den Folgen, ist nicht in der Lage ihrem Beruf als Lehrerin einer Sonderschule nachzugehen. Sie kann sich nicht konzentrieren, ist permanent müde. Andere im Bekanntenkreis hatten auch leichte Verläufe.

Vor ein paar Tagen erzählte mir meine Tochter, dass ein Mitschüler meines Enkels mit Corona auf der Intensivstation liegt. Es geht ihm sehr schlecht. Er ist 12.