Da ist dieses Thema, vor dem ich mich drücken wollte. Ich mag es nicht, über Momente des Ausgeliefertseins und ernsthafter Krankheit nachzudenken oder gar zu schreiben. Warum das so ist? Es gibt eine einfache Antwort: Ich hatte selbst eine Phase, in der ich an einer anderen Krankheit so litt, dass ich auf Hilfe angewiesen war. Es fühlt sich gut an, das überstanden zu haben. Es fühlt sich furchtbar an zu wissen, dass so etwas noch einmal geschehen könnte. Da ist als das Thema:
„Ich wüsste nicht, was ich täte, wenn ich Corona bekäme…“
Stimmt das wirklich? Ganz vieles habe ich damals gelernt. Aber heute ist das Leben anders. Heute ist da kein Partner mehr, der mich zuhause unterstützen würde. Sofort schießt der nächste Gedanke hinterher: Dann wird jemand anderes helfen, das spiegelt die Erfahrung der vergangenen Jahre. Der Personenkreis hat sich verändert, doch ist das alles unwichtig. Wichtig ist einzig und allein das tiefe Wissen, dass jemand da sein wird. Und wenn ich diese Person bis heute nicht kenne, so würde ich sie in der Zeit kennen lernen.
Aber: Ich möchte nicht an COVID 19 erkranken! Ob ich es vermeiden kann infiziert zu werden? Ich arbeite nur zuhause, einem Zuhause, das außerhalb der Stadt liegt, hier ist die Gefahr gering. Freunde treffe ich virtuell, bei meiner Mutter und überall sonst, auch auf den Wegen vom oder zum Auto schütze ich mich mit einer FFP2-Maske. Grundsätzlich reinige ich mir im Auto die Hände, bevor ich die Maske absetze. Damit fühle ich mich sicher.
Dieses „ich wüsste nicht, was ich täte“ entspringt nicht der Verzweiflung ob hoher Inzidenzen, Mutationen und Co., es ist vielmehr Ausdruck des Erinnerns an die überstandene Krankheit. Und ich glaube, dass diese Sorge ein sehr guter Schutz ist. Es ist für mich wichtig, mich ausreichend und umfassend über das Virus, die Krankheit und mögliche Folgen zu informieren. Horrorszenarien im Trash-TV schaue ich mir allerdings nicht an. Es gibt genügend eigene Erinnerungen und Bilder, die zur Vorsicht mahnen. Der Gedanke, mich infizieren zu können und krank zu werden, impliziert für mich auch ein kleines Fiasko: Was hätte ich übersehen oder ausgelassen, dass das passiert ist? Da klingt es wieder hindurch: Ich möchte die Ansteckung vermeiden! Ich möchte nie wieder wie damals in den Gedanken gefangen sein, wie und ob das Leben überhaupt zurück kommt. So anstrengend war der Weg hinaus, dass ich manchmal am liebsten aufgegeben hätte.
Selbstverständlich habe ich gespürt und erfahren, wie es meiner Umwelt damit ging. Es schwankte zwischen echtem Mitgefühl und rücksichtslosem Beschimpfen. Freunde wandten sich ab, die Ehe zerbrach im Verlauf der Genesung. Ich war wie zerrissen, ein wenig heimatlos. Die Krankheit war meine Heimat geworden. Ich hatte mich darin eingerichtet, ein Zuhause auf Rädern, das mich überall begleitete und in dem nur wenige Platz fanden. Irgendwann konnte ich es verlassen. Trat verändert hervor und lebte für eine Weile innerlich heimatlos in unsicherer Zeit. Ich habe 13 Jahre gebraucht. Und genau das möchte ich nicht noch einmal durchkämpfen. 13 Jahre. Verlorene Jahre?
Oh nein! Sicherlich waren es die sogenannten „besten Jahre“ in der menschlichen Spanne, aber meine besten Jahre kommen jetzt! Ich bin eben älter als die anderen, wenn ich sie genießen darf. Dafür bin ich an Erfahrungen reif, die andere erst machen werden. Und es ist auch das, dieses Wissen, dass mein Leben eine Wende nehmen konnte, dass ich entgegen der Prognose der Ärzte gesund werden durfte. Ich möchte leben. Jetzt. Einfach. Leben. Nichts großes, kein besonderes Leben, nur meins. Kreativ, verbunden mit dem, was mich umgibt. Und ich möchte diese Phase nicht in permanenter Angst und Sorge fristen.
Fazit: Ich wüsste, was ich täte, wenn ich erkranke.
Weil ich aber nicht erkranken will, schütze ich mich, achte gut auf mich und andere und wünsche uns allen, dass wir es aus Corona und Covid bald heraus schaffen.
Verändert – im positiven Sinn…