„Corona ist auch nichts anderes als eine Grippe!… Haben Sie sich schon mal überlegt, wieviel Grippetote wir jedes Jahr zählen?… Wir sollten uns nicht verrückt machen…“ So und so ähnlich klang es vor einem Jahr, als wir nicht wussten, was wir heute wissen, ohne zu ahnen, was wir in einem weiteren Jahr wissen werden.
Ich weiß nicht, ob ich Corona hatte, damals im Januar, der gerade mal 13 Monate zurückliegt. Es könnte sein.
Zoë war für eine Woche hier gewesen und hatte erzählt, dass sie ein heftige Erkältung, „fast wie eine Grippe“, gehabt habe. „Ich glaube, ich hatte Fieber. Mir war so kalt! Ich hatte Kopfschmerzen!“ sagte sie. Wir scherzten darüber: “ Nicht, dass du Corona hast!“ und ich schenkte ihr ein Fieberthermometer.
Später schien es mir gar nicht abwegig, dass Zoë, die Weltreisende, die junge Studentin an Corona erkrankt gewesen sein könnte. Später, als ich die Erinnerungen sortierte.
Zoë reiste sonntags ab und ich stand montags morgens auf, bereitete das Frühstück und musste ohne Vorwarnung – sofort! – zur Toilette. Mir war nicht übel. Ich hatte nichts Außergewöhnliches gegessen, aber mein Darm rebellierte. Danach war mir nur nach einer Tasse Tee und einer Liegeposition auf dem Sofa. Ich musste noch ein paar Mal zügist zur Toilette, fühlte mich schlapp und krank und wunderte mich über den unerklärlichen Infekt.
Am nächsten Tag hatte ich hohes Fieber, am darauffolgenden so noch nie erlebte Kopfschmerzen. Die Symptome waren „solo-dominant“ und ich fühlte mich wie zerschlagen. Die zweite Wochenhälfte war von großer Müdigkeit bestimmt. Der Gang von der Küche zum Sofa und zurück, wenige Meter, fühlte sich an, wie die letzten Kilometer eines Marathonlaufes, das Ziel nicht in Sicht. Ich war genervt. Ich fühlte mich nicht krank. Ich war symptomfrei, aber völlig k.o. Danach ging es wieder aufwärts, in immer schnelleren Schritten. Ich verfolgte die internationalen Nachrichten. Die ersten Prominenten meldeten sich mit „positivem Befund“, schilderten leichte Verläufe und erträgliche Quarantänesituationen.
Corona war ein „Grippevirus, das Lungenentzündungen verursacht“. Inzwischen wissen wir mehr, wissen das das Virus auch andere Organe befällt, dass rechtzeitige Sauerstoffgaben hilfreicher sind als künstliche Beatmung. Und ich hörte die Sängerin Marianne Rosenberg, erkrankt an Covid-19, die exakt die Symptome beschrieb, die ich erlebt hatte.
Mein Film spulte zurück: Zoë hatte eine „besonders hartnäckige Erkältung“ gehabt… wie auch ihre Freundin Kitty, die ihre Eltern in China besucht hatte. Als Zoë uns besuchte, ging es ihr „schon besser“. Neun Tage später musste ich von jetzt auf gleich aufs Sofa. Zoë wiegelte ab: “ Nein. Nein. Es war bestimmt nicht Corona.“ Es hilft, in dunklen Wäldern zu pfeifen.
Inzwischen haben wir uns mit Abstand, Hygiene und Maskenpflicht arrangiert. Es gibt diverse Test, Impfstoffe und ich kann auf eigene Kosten mein Blut auf Antikörper testen lassen. Damals, vor gerade mal gut einem Jahr, wusste man nicht, ob und wie lange sie nachweisbar waren – heute weiß man nicht, ob es sinnvoll ist, Genesene zu impfen.
Irgendwann bekomme ich einen Impftermin. Vorher lasse ich meinen Titer bestimmen und dann werde ich sagen können: „Ich hatte Corona,“… oder auch nicht.