Anabell, 67 Jahre, verheiratet, 2 erwachsene Kinder, pensioniert, gebürtige Wienerin, lebt jetzt in den Bergen, Vorlieben: spielen mit Enkeln, wandern, Klavier spielen, schreiben, Natur...

Ich kenne jemanden, der Corona hatte…..

Es muss im Jänner dieses Jahres gewesen sein, als mich mein Bruder (er wurde gerade 60) aus Wien anrief. Sonst ist er immer heiter und gut aufgelegt, doch heute klang seine Stimme etwas merkwürdig. „Geht es dir nicht gut?“, fragte ich vorsichtig. „Na ja, weißt du, ich habe, besser gesagt- hatte letzte Woche Corona und bin jetzt noch in Quarantäne!“, kam es leise durch die Leitung. „Bist du daheim, warst du im Spital oder?“, sprudelte es besorgt aus mir heraus. Zu meiner Beruhigung erzählte er, er sei nur daheim gewesen und mit ärztlicher Behandlung über die Runden gekommen. „Ja, aber erzähl doch, wenn es für dich passt, welche Beschwerden hattest du denn und wie geht es dir jetzt?“, ermunterte ich ihn.

„Ja, es war so, wir waren für ein paar Tage zum Schifahren in Schladming, wo wir doch unser Appartement haben. Allerdings hatte ich auch zwischendurch ein paar Kundentermine in der Nähe. Auf der Heimfahrt nach Wien fühlte ich mich schon gar nicht wohl. Starke Kopfschmerzen, die ich sonst so gut wie nie habe, begannen mich zu quälen. Dann folgten ganz merkwürdige Rücken- und Gliederschmerzen, ähnlich denen einer Grippe, aber anders. Geruchsverlust hatte ich keinen und so meinte ich zuerst, einen grippalen Infekt zu haben. Erst als ich noch Fieber bekam und die Glieder- und Rückenschmerzen sehr unerträglich wurden, meldete ich mich zu einem Test an. Die Tester kamen sogar ins Haus. Ja, ich war positiv und auf der Skala, die es da gibt, befand ich mich im oberen Drittel der Symptome. Mein Hausarzt riet mir zur vollständigen Ruhe und zur Einnahme eines normalen Grippemittels. Er ist ja mein Freund und kennt meine Arbeitsintensität, daher legte er mir gleich nahe, ja nicht zu arbeiten, sondern wirklich Ruhe zu geben. Er schärfte mir auch ein, mich sofort zu melden, falls ich mich schlechter fühlen würde, dann habe er ja gleich ein Bett im Spital für mich. So, jetzt wusste ich Bescheid und auch, wie ich mich verhalten solle.

Nun kamen aber erst die lästigen Meldungen an alle Stellen wie Firma, Angaben aller Kontaktpersonen u.v.a.m. Das gestaltete sich anstrengender als alles andere, vor allem die mitunter oft wirklich dummen Fragen von Seiten der Behörde. Da ist man krank und dann löchern sie einen noch, um ihre Statistiken aufzupolieren! Uschi erledigte ohnehin viel in dieser Richtung, aber manches musste ich einfach selbst tun. So blieb ich also brav daheim, Uschi ließ sich auch testen- war aber negativ. Sie zog ins Gästezimmer und war natürlich auch in Quarantäne. Merkwürdigerweise blieb sie auch negativ nach einem späteren Test! Nach gut einer Woche klangen meine Schmerzen und Beschwerden endlich ab, zum Glück bekam ich keinen Husten und Geschmacksverlust. Ja und jetzt geht es mir besser, etwas müde noch, aber es wird langsam wieder!“

Ich war sichtlich erleichtert, dass er alles so gut überstanden hatte. Ja, mein Bruder ist ein Pragmatiker- wie er immer wieder selbst über sich sagt. Er tut das, was ansteht und nötig ist. Das hat ihm schon in vielen Lebenssituationen geholfen, vor allem auch in seinem Beruf als Manager. Überdies zählt er zu den Menschen, die ein Glas nicht halbleer sondern halbvoll sehen, also eine positive Sichtweise haben.

Wir scherzten noch ein wenig und ich bat ihn, mich am Laufenden zu halten.

Nach einigen Tagen rief er mich an und erzählte, er habe jetzt den Antikörpertest machen können und eine Menge Antikörper in sich! „Oh, das ist fein für dich! Werde halt nur nicht zu übermütig!“ scherzte ich.

Bis heute geht es ihm zum Glück gut, er hatte keinerlei Nebenwirkungen und Folgebeschwerden. Nun kann er wieder etwas Sport betreiben und seine Ruhepausen sind ihm nun heilig!

Seine Einstellung und Aussagen haben mich wieder bestärkt, weiter meine Linie zu gehen, viel Sport, wandern in frischer Luft so oft es geht, alle hygienischen Maßnahmen zu beachten, mir Ruhepausen zu gönnen, was für mich jetzt einfacher ist, weil ich nicht mehr im Berufsleben stehe. Und- was mir besonders wichtig erscheint- keine Angst vor Corona zu haben, ohne dabei übermütig zu werden!