Riki, 50, Sozialpädagogin, liebt es mit Kindern zu arbeiten, Tagebuch zu schreiben und ihren Garten kreativ zu gestalten, zu Hause im Burgenland

Ich wüsste nicht, was ich täte, wenn ich die Krankheit Corona bekäme

So einen Gedankenmoment hatte ich im Sommer 2020. Da war meine „Corona- Erfahrung“, also alles was ich in den Medien bis dato über diese Krankheit erfahren hatte, ja noch relativ gering im Vergleich zu heute, wo es nun unzählige Studien und Erfahrungswerte gibt, und ich auch besser weiß, wie ich mich schützen kann. Damals saß mir dieser Gedanke tief in den Knochen, ich hatte wirklich Angst vor dieser Krankheit. Bilder aus den Nachrichten über den nächtlichen Abtransport der Corona-Toten in Oberitalien geisterten in meinem Kopf herum.

Zurück zum Sommer 2020. Nach diesem ersten Corona-Frühling, wo ich mich wochenlang mit meiner Familie sozial sehr zurückgezogen habe, um mich ja nicht dem Schrecken dieser Krankheit aussetzen zu müssen, musste ich mir dann im Sommer die Frage stellen, ob ich mich mit dieser Krankheit, die ich nicht haben wollte und immer noch nicht will, angesteckt habe. Im August bekam ich Besuch von meiner lieben Schwester und ihren Kindern, die ich bis auf einen Tagesausflug zu ihnen, der vorsichtshalber nur im Freien stattfand, ein halbes Jahr nicht gesehen hatte. Wir begrüßten uns freudig und wiegten uns für ein paar Stunden in Sicherheit, das Ärgste in dieser Krise überstanden zu haben. Meine Verwandten hatten geplant, ein paar Tage bei uns zu bleiben und mit uns gemeinsam einige herrliche Sommer-Sonnentage vollgespickt mit Abenteuern zu erleben. Der Hunger nach Nähe zu unseren Liebsten und nach Alltags-Normalität war bei allen von uns spürbar.

Am Abend dann der Schnitt, die Situation veränderte sich. Halsschmerzen machten sich bei meiner Schwester bemerkbar. Den Corona-Gedanken verdrängend, mutmaßten wir, dass sicher die Klimaanlage des Autos bei der Herfahrt die Ursache für ihre Halsschmerzen war. Halsschmerzen – waren das nicht auch Symptome von Corona? Weg mit dem Gedanken! Wir gingen dann vorerst einmal schlafen und freuten uns auf den nächsten gemeinsamen Tag.

Am nächsten Morgen hatten sich die Halsschmerzen verstärkt, aber meine Schwester ließ sich nicht unterkriegen, und andere Symptome zeigten sich nicht. Also, Zähne zusammenbeißen und ab in den heißen Sommertag. Die Kinder genossen einen herrlichen Tag am Stausee, die Wasserrutsche wurde ausprobiert, der See wurde von unseren kleinen neugierigen Entdeckern mit dem Kanu erforscht. Alles gut!

Dann der Schrecken am nächsten Tag nach einer Nacht mit Schüttelfrost und Fieber bei meinem älteren Neffen. Mein Mann und ich waren auch mit Halskratzen aufgewacht. Ratlos saßen wir beim Frühstück. Ich spürte, wie sich die Angst in meinen Körper einnistete. Das Handy wurde hervorgeholt, die Corona-Symptome wurden gegoogelt. Halsschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Husten. All das war schon da oder im Kommen. Da blieb nur eins übrig: 1450 – die Gesundheitshotline wurde angerufen. Es folgten Telefonate, Daten wurden durchgegeben, wir wurden über das weitere Vorgehen informiert: Den Sohn in der Firma anrufen und ihn heimholen, seine Firma informieren, dass wir unter Quarantäne gestellt werden. Meine Gedanken überschlugen sich. Ich fühlte mich plötzlich wie eine Aussätzige. Was ist, wenn die für den Corona-Test zuständigen Sanitäter zu uns in die Gasse kommen? Da herrscht sicher Panik in der Nachbarschaft!

Meine Bedenken wurden bald darauf zerstreut. Wir mussten uns alle bei der nächstgelegenen Drive-in Teststation einfinden und wurden dann behördlich unter Quarantäne gestellt. Und dann hieß es abwarten und im wahrsten Sinne des Wortes Tee trinken. Ich plünderte meinen Salbeistrauch. Emotional fingen wir uns langsam wieder, wir machten das Beste daraus. Unser Kleinster konnte ja trotzdem draußen im Garten unterm schattigen Kirschbaum spielen. Und wir Erwachsenen versuchten so gut wie möglich, die Ruhe zu bewahren, uns gegenseitig zu versorgen mit Tees, Gurgellösungen und gutem Essen.

Und dann kam der mit Spannung erwartete Anruf: Eine freundliche Stimme war am anderen Ende der Telefonleitung zu hören, sie erlöste uns von unseren Ängsten und verkündete die erhoffte Botschaft – es war kein Corona!

Es war tatsächlich die Klimaanlage des Autos, die uns in Panik versetzt und uns allen eine heftige Sommergrippe beschert hatte.

Nach dieser Erfahrung weiß ich, dass ich Corona nicht haben möchte.