…darüber möchte ich eigentlich gar nicht nachdenken, nichts hören und am liebsten auch nichts schreiben. Corona hat sich schon viel zu weit in meinem Leben breitgemacht und ich werde jeden Tag aufs Neue daran erinnert. Aber der Gedanke ist berechtigt, denn ich gehöre mit meinen 64 Jahren zur Gruppe der Älteren und damit zur sogenannten „Risikogruppe“, der am meisten gefährdetsten Personen in dieser Pandemie. Deshalb versuche ich seit Ausbruch der Pandemie vor mehr als einem Jahr mich konsequent vor Ansteckung zu schützen.
Ich halte mich an die Regeln, schränke meine Kontakte fast bis auf null ein und meide jede Menschenansammlung. Trotzdem könnte ich mich beispielsweise beim Einkaufen im Supermarkt anstecken. Wenn ich keine Symptome habe, würde ich vielleicht gar nichts von der Erkrankung spüren und so weiterleben wie bisher, aber aufgrund meines Alters ist das nicht sehr wahrscheinlich. Nach Kontakt mit meiner Hausärztin würde ich mit Medikamenten zunächst zu Hause alleine damit leben – auch mit der Angst, dass sich die Anzeichen auf einen schwereren Verlauf verstärken und ich eventuell ins Krankenhaus gehen müsste oder im schlimmsten Fall daran sterbe.
Meine Versorgung zu Hause könnte ich durch meine Familie und Freundinnen sicherstellen. Die meisten wohnen in der Nähe und würden mich sicher gut und gerne unterstützen. Außerdem gibt es ja auch noch die Lieferdienste, um sich notdürftig selbst versorgen zu können.
Was aber wäre, wenn ich bei einem heftigeren Verlauf der Krankheit auf der Intensivstation eines Krankenhauses lande? Die Vorstellung, dort an vielen Schläuchen und Überwachungsgeräten „zu leben“ macht mir Angst und damit wäre ich dann auch noch ganz alleine, weil niemand aus meiner Familie oder aus dem Freundeskreis mich besuchen dürfte. Umgeben von fremden Menschen, die sich sehr freundlich und kompetent um meine Versorgung kümmern, aber keine wirkliche Nähe herstellen können und dazu noch die Auswirkungen der Krankheit: Schmerzen, Luftnot und den Tod direkt an meinem Bett – eine schreckliche Vorstellung… Vor dem Tod habe ich eigentlich keine Angst, nur vor der beschwerlichen Zeit auf dem Weg dorthin.
Schon vor einigen Jahren habe ich eine Patientenverfügung geschrieben, die dann natürlich auch bei Corona angewendet würde. Das bedeutet, dass alle Geräte abgeschaltet werden, wenn es nach ärztlichem Ermessen keine Aussicht auf Besserung meines Zustandes gibt…
Ich möchte die Lebenszeit, die mir noch bleibt, so gut wie es eben geht in vollen Zügen genießen. Deshalb werde ich auch weiterhin in dieser Pandemie so gut wie es nur eben geht auf mich aufpassen und dem Virus keine Chance geben. Corona geht nun schon ins 2. Jahr und ich habe lernen müssen, mein Leben an die eingeschränkte Situation anzupassen. Das war nicht immer leicht. Zum Glück ist auch noch niemand in meinem näheren Umfeld an der Krankheit verstorben. Selbst in Corona-Zeiten gibt es noch schöne Momente, man muss nur genau hinschauen: ein gutes Buch, ein Spaziergang in der Sonne, ein Telefongespräch, eine Online-Veranstaltung. Die Hoffnung auf ein „Leben danach“ bleibt und ist tausendmal besser als der Tod.