Trotz Corona geht es mir in meinem eigenen Körper rundum gut. Doch halt, die ersten Körperteile, die sich nach dieser Behauptung melden, sind meine Augen. Sie beginnen sofort zu tränen, zu jucken und zu brennen. Neuerdings melden sie sich jedes Mail in dieser unangenehmen Art und Weise, wenn ich mich längere Zeit draußen aufgehalten habe.
Das schöne Wetter zieht mich förmlich aus dem Haus. Ich liebe den Frühling, wenn die ersten Sonnenstrahlen – schon ein wenig wärmend – die Welt aus dem Winterschlaf erwecken. Überall an Bäumen und Sträuchern bilden sich dicke Knospen aus denen dann zartgrüne Blättchen und kleine bunte Blüten herauswachsen. Krokusse, Winterlinge und Schneeglöckchen schießen aus dem Boden und bilden bunte Teppiche in der freien Natur. Ich kann stundenlang nach diesen Frühlingsboten auf die Suche gehen und genieße es, wenn die Tage wieder länger werden und sich eine Art Aufbruch-Stimmung breit macht.
Corona zwingt mich dazu, viel Zeit zu Hause in meiner Wohnung zu verbringen. Irgendwann – vor allem wenn es draußen trocken und sonnig ist – halte ich es in meinen vier Wänden nicht mehr aus. Dann breche ich auf zu Spaziergängen in die nähere Umgebung oder steige in die virenfreie Zone meines Autos und fahre ein Stück. Dabei stelle ich immer wieder fest, wie schön doch das Ruhrgebiet ist. Talsperren, Seen, Wälder, das Ruhrtal, öffentliche Parks und Gärten, historische Gebäude und schöne Innenstädte kann ich reichlich entdecken. Diese Tagestrips bringen mir frische Luft in mein eintöniges Corona-Dasein, lenken mich von den Einschränkungen ab und helfen mir, mich trotzdem einigermaßen wohl zu fühlen in meiner eigenen Haut. Was, wenn ich nun diese Ausflüge und Spaziergänge auch nicht mehr darf?
Der Frühling bringt viele Bäume und Sträucher dazu, ihren Blütenstaub in die Welt zu schicken. Für Pollenallergiker ist das eine Qual und kann der Freude draußen zu sein ganz schnell einen Dämpfer verpassen. Leider gehöre ich auch dazu. Mein Körper wehrt sich gegen Haselnuss-, Erlen- und Birkenpollen mit juckenden Augen, einer verstopften Nase und trockenem Husten. Nein, das sind ganz sicher keine Corona-Symptome. Das kenne ich schon seit vielen Jahren und ich habe bisher noch kein wirksames Mittel dagegen gefunden. Das einzige, was wirklich hilft ist: zu Hause bleiben, Fenster und Türen möglichst geschlossen halten und das bis Ende Mai!
Ich wehre mich dagegen – lasse mir von Bäumen und Sträuchern nicht diktieren, wann ich vor die Tür gehen darf und wann nicht. Medikamente helfen mir dabei. Sie bringen etwas Linderung und ich versuche, nicht so lange draußen zu sein. Mit diesem Kompromiss kann ich einigermaßen leben. Frühling light ist immer noch besser, als Pollenlockdown in Coronazeiten.