Duftpelargonie, 61 Jahre, Pensionistin, wohnt am Land, Mama und Oma, neugierig

Weihnachten 2020 mit ungebetenen Gästen

Vor Weihnachten waren noch alle Geschäftegeöffnet und ich konnte kleine Geschenke für meine Familie besorgen. Ich freute mich so, dass ich mit meinen Töchtern und ihren Familien zusammen, Weihnachten feiern durfte. In den Haushalt meiner jüngeren Tochter bin ich täglich integriert. So waren wir zwei Haushalte, die zusammen eine schöne Zeit verbringen wollten, fünf Erwachsene und drei Kinder.

Am Heiligen Abend wurde die zimmerhohe Tanne geschmückt und alles fürs gemeinsame Essen vorbereitet. Das traditionelle Räuchern übernahm ich. Mit den Enkeln gemeinsam ging ich mit dem Räucherpfandl im Haus durch alle Räume. Die Räuchermischung Kyphi, die schon im alten Ägypten verwendet wurde, ist wohlriechend. Das fiel sogar den Kindern auf. Beim Zug durchs Haus und zum Nebengebäude beteten wir lautstark: „Gott segne dieses Haus und alle, die da gehen ein und aus!“ So mussten doch alle bösen Geister vertrieben werden. Hat da nicht jemand leise gekichert?

Während wir räucherten, kam das Christkind. Der Christbaum strahlte hell und die Geschenke lagen darunter. Zwischen den dichten Tannenzweigen vermeinte ich jemanden schelmisch schmunzeln zu sehen. Vor der Bescherung sangen und beteten wir gemeinsam. Alle machten fröhlich mit.
Da, ein nicht eingeladener Gast gesellt sich dazu. Es ist Coronavirus, das zwischen den Ästen herausgrinste.
Bei der Gabenverteilung wünschte wohl auch das kleine Virus uns allen ein frohes Weihnachtsfest. Beim gemeinsamen Essen genossen wir dieses harmonische Familientreffen, lachten und prosteten uns zu.

Coronavirus lachte auch mit.

Die Kinder spielten begeistert mit den neuen Spielsachen und wir unterhielten uns vergnügt.

Coronavirus freute sich mit.

Es war ein unbekümmerter lustiger Familienabend. Wir genossen, das gute Essen und die Geselligkeit. Je länger wir plauderten und lachten, desto mehr vergnügte sich auch Coronavirus. Niemand ahnte, dass ein fieser, lästiger, gemeiner Besucher unter uns saß und mitfeierte. Je länger der Abend dauerte, desto mehr Freunde von Coronavirus gesellten sich zu uns. Jeder Lacher und jedes Wort brachten neue Gäste. Wir waren unbekümmert fröhlich. Coronavirus mit seinen Freunden war noch lustiger und siegessicher. Wir fühlten uns am Abend auch vereint und als Familie stark. Mitten unter uns saß ein Super Spreader, der nichts ahnend, bei jedem Atemzug Coronavirus freigab. Gemeinsam mit seinen Freunden zog er in unsere Nasenschleimhäute und fühlte sich wohl.

Gut gestimmt und heiter gingen wir nach der Feier des Weihnachtsfestes schlafen, ahnungslos, dass wir nicht alleine im Bett lagen. Ahnungslos, dass wir bereits von unzähligen unberechenbaren listigen Viren besetzt worden waren. Diese waren noch immer vergnügt und arbeiteten und feierten die ganz Nacht durch, um möglichst viele unserer Zellen zu beschlagnahmen. Kreativ richteten Coronaviren Schaden an.

Anfang Jänner hatten alle Erwachsenen leichte Symptome: Kopfschmerzen, leichter Schnupfen und Husten, kaum belastbar, schwindlig, Geschmack und Geruch gingen verloren. Durchfall, heftige Gelenksschmerzen…

Wir melden uns bei 1450. Von allen werden die Daten aufgezeichnet. Wir gelten nun als Coronaverdachtsfälle und die Quarantänezeit beginnt. Am nächsten Tag wird getestet und alle Erwachsenen bekommen die Bestätigung, an Covid-19 erkrankt zu sein. Die Bescheide werden von der Polizei zugestellt.

Im Nachhinein bin ich froh, dass wir uns mit kaum wahrnehmbaren Symptomen gemeldet haben. So haben wir Coronavirus keine Gelegenheit gegeben, sich andere Gastgeber zu suchen. Ich bin erleichtert, dass wir die Erkrankung gut überstanden haben.

Weihnachten 2020 wird ein ganz besonderes Familienfest für uns bleiben. Gemeinsam gefeiert, gemeinsam erkrankt und alle wieder ganz gesund geworden.