Ja, was bedeutet Krankheit, Corona für mich ganz konkret?
Ist es die Abwesenheit von Gesundheit, ist es eine Störung des Gleichgewichtes, des Energiehaushaltes oder der Verteilung der Körpersäfte wie zu Zeiten von Paracelsus beschrieben?
Gibt es Zeichen ,die auf eine Erkrankung wie Corona hinweisen und muss ich bei jedem Niesen oder gar Räuspern fürchten an Corona zu erkranken??
Ich bin Ärztin und ticken für mich die Uhren anders, sicher nicht!!
Da ist eine gewisse Portion Demut angesagt, nicht nur das auch Ärzte älter werden, wer hätte das gedacht!!, nein auch sie werden krank.
Genauso verhielt es sich im Studium, wo ich auf der Kinderstation arbeitend, mich durch die üblichen Kinderkrankheiten gekämpft habe, die die mir während meiner Kindheit erspart geblieben waren. Ich, der medizinische Neuling, hatte mindestens so viele rote Punkte wie die kleinen Patienten.
Was zeigt mir dieses Beispiel in Bezug auf Corona?? Vielleicht ist es eine ganz wichtige Botschaft und da denke ich an den amerikanischen Chirurgen B.Siegel, der jedem Kranken 4 Fragen stellt.
Wenn ich, um bei diesem Beispiel zu bleiben, an Corona erkrankt, von meinem Arzt gefragt werde wollen Sie 100 J alt werden, so ist dieser Ansatz mit einer ganz klaren Botschaft versehen, und eben nicht mit den sonst üblichen negativen Botschaften und Horrorvorstellungen, man denke nur an die vielen schlimmen Nachrichten und Bilder aus Funk und Fernsehen , die uns tagtäglich berieseln.
Nein ,es ist die positive Erwartung, die wir, sind wir doch ehrlich, heimlich von unserem Arzt erwarten, die Ansage: wir arbeiten gemeinsam an der Genesung, Ziel 100 J.
Wie schön ist das denn, kennen wir das überhaupt noch?? Ich fürchte: nein
Auch das Nachforschen, was passierte vor der Erkrankung, bevor Corona uns / mich krankmachte?
Wie wichtig das Nachforschen von krankmachenden, belastenden Faktoren ist, kann man erahnen, nicht umsonst werden bei Krebserkrankungen Psychoonkologen hinzugezogen, ebenso wie bei einem Verdacht auf Herzinfarkt geforscht wird, ob es sich nicht um ein gebrochenes Herz handelt.
Das sind alles Dinge, die mich sehr beschäftigen und die Frage, was passieren würde, wenn ich selbst an Covid 19 erkranken würde, die stellt sich mir schon.
Bricht dann das System, mein System ,Familie, Beruf soziales Netzwerk auseinander?
Ich merke beim Schreiben, wie sehr mich diese Thematik berührt und mir tatsächlich Angst macht.
Die Angst vor der Abhängigkeit, bei den einfachsten Verrichtungen auf Hilfe angewiesen zu sein und sich helfen lassen zu müssen, siehe bei Patienten auf Intensivstationen, das jagt mir, ganz ehrlich, Schauer über den Rücken.
Ich bin es so sehr gewöhnt, selbst bestimmt und aufrecht durch das Leben zu gehen, das mich diese Vorstellung nachgerade sehr unruhig macht.
Ich bin es so sehr gewöhnt anderen Menschen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, und dann die Idee, die Selbstständigkeit abgeben zu müssen, sehr schwierig, um nicht zu sagen unvorstellbar.
Genau an diesem Punkt, könnte ich anfangen zu lernen, vielleicht in die Demut zu gehen und zu erkennen, dass es Situationen im Leben gibt, wo auch ich Hilfe annehmen darf und zwar nicht als Strafe, nein in Dankbarkeit und Liebe.
Das Annehmen von Hilfe, dass mir jemand in den Sattel hilft oder wie früher über eine Räuberleiter erlaubt ein anderes höheres Ziel zu erreichen, das könnte ein gutes Ziel für mich sein, aber das gehört gerade nicht zu meinen Stärken, das Annehmen!!
So denke ich, dass Corona mir diesbezüglich nicht nur eine Lektion erteilen kann, diese Erkrankung ,in all ihren Facetten, sollte und kann mir aufzeigen, was sein könnte, was sein darf und wie ich damit umzugehen habe.
So schließt sich der Kreis, eine Krankheit hat niemals nur eine Ursache, sie ist wie ein tausend Teile Puzzle und wir können froh sein, wenn wir einige wenige von diesen Puzzleteilen finden und zusammenbringen.
Insofern kann es auch sein, dass Corona uns etwas mitteilen möchte: was nimmt uns die Luft zum Atmen und was bereitet uns Kopfschmerzen?
Das gilt es heraus zu finden.