Maiky, 66 Jahre, Ärztin in eigener Praxis. Verheiratet, 4 Kinder 2 Katzen 1 Hund, wohnhaft im Saarland

Corona-Frei, der Tag

Was wäre wenn, ein Spiel, das ich mit meinen Kindern viel und gerne gespielt habe.
Kann ich dieses Spiel überhaupt noch spielen, kenne ich die Spielregeln noch oder habe ich verlernt meine Wünsche zu formulieren oder gar zu denken!

Corona frei, das kommt mir so unwirklich vor, ist es ein Traum? Wenn ja ,ist es ein schöner Traum, ein wunderbarer Traum und indem ich diese Worte schreibe,, merke ich wie unfrei dieser kleine Virus uns auf allen Ebenen, auch auf der Ebene der Wünsche und Sehnsüchte gemacht hat.

Es mutet mich nachgerade seltsam an, eine Freiheit von Corona, ohne Masken, ohne Beschränkungen jedweder Art, kann das überhaupt gelingen oder sind wir schon so konditioniert ,wie eine Schafherde ,die ,von Hütehunden zusammengetrieben , in einem großen Pulk verharrt.

Erstarrt fast, und um in dem Bild zu bleiben, die Schafe stehen so eng zusammen, da passt weder ein Traum noch ein Wunsch dazwischen. Oder doch?

Lässt sich nicht das dicke Fell der Tiere ein ganz kleines bisschen komprimieren um Platz für einen Traum zu schaffen, zugegeben erst einmal ein Plätzchen für ein Träumchen?

Ja genau, diesen Platz oder Plätzchen kann und muss es unter allen Umständen geben, er muss dazwischen passen, ein ‚must’ wie die Engländer sagen.

Was passiert mit diesem Traum? Wilhelm Busch hat es so treffend formuliert: Ein jeder Wunsch sobald er erfüllt bekommt augenblicklich Junge,
Ja die Träume sollen sich vermehren, noch und nöcher und es sind die Hütehunde, die Wächter der sogenannten Ordnung, die in die Peripherie rücken müssen, um eben diesen Träumen Platz zu machen, viel Platz.

Die Sehnsucht die uns/mich umtreibt, die Sehnsucht in offene unverhüllte Gesichter blicken zu dürfen, die Stimmungen bei Mitmenschen wahrzunehmen, sie wächst mit jedem Tag

Das Nachbarschaf anstoßen und ihm sagen: Hey mach Platz für meinen Traum, meine Lust am Leben, meine Freude und alles was mich ausmacht! Die Liste ist lang und der benötigte Platz wird immer größer.

Dann wenn die Schafe, die uns nahe sind, sehen und wahrnehmen können wie schön man aussehen kann, wenn diese Wünsche formuliert werden können, das Fell fängt an sich zu glätten, weniger verfilzt oder verknotet vielleicht glänzen auch die Augen, der Gang wird aufrechter, ja dann kann vielleicht der Funke auf die ganze Herde überspringen, eine wohlige und warme Atmosphäre bewegt jedes einzelne Mitglied der Herde, nicht nur weil das Schaf spürt, ich bin in dieser Gruppe aufgehoben, nein auch deshalb weil Träume und Sehnsüchte plötzlich Raum erhalten haben, Platz zum Leben!

Was darf außerdem geschehen? Die Hütehunde wittern, erschnüffeln sozusagen die veränderte Situation der Herde, sie begreifen mit einem Mal, dass sie gar nicht mehr die Zähne fletschen müssen, um für Ordnung zu sorgen. Werden sie vielleicht überflüssig?

Die eigenen Stärken entdecken in der Abgeschiedenheit die Corona uns allen abverlangt hat, und an dem Tag , an dem wir CORONA FREI haben gilt es diese Stärken nach außen zu tragen, wie wunderbar könnte das sein.

Die ganze Herde könnte auseinander strömen , weil sie bereit ist ihre Sehnsüchte zu leben, ohne Wenn und Aber!
Wir können uns von der Tierwelt so viel abgucken und von ihr soviel lernen und das nicht nur an einem einzigen Tag ohne Corona