Eigentlich hab ich das Gefühl, Corona stört mich gar nicht. Ich bin auch ohne Corona ganz gerne mal Stubenhockerin gewesen. Jetzt ist es so, dass ich den Gedanken daran, dass alle in ihren Stuben hocken, beruhigend finde. Auch beruhigend finde. Wobei ich beruhigend gaaanz langsam ausspreche.
Corona stört mich gar nicht, hüpft mein Gedanke zurück. Corona beeinflusst mein Leben gar nicht. Ich bin zuversichtlich. dass ich gesund bleibe.
Dann stirbt ein naher Verwandter eines mir lieben Menschen – an Corona.
Ich wünschte, das Leid wäre meinem lieben Menschen erspart geblieben. Ich wünschte, der Tod wäre dem nahen Verwandten erspart geblieben.
Plötzlich ist da Stille.
„Corona stört mich eigentlich gar nicht.“, höre ich mich vorsichtig denken. Ich denke es für mich allein, in einen leeren Raum hinein. Plötzlich merke ich – ich denke es nicht – ich frage.
Es fehlt mir so sehr, dass es mein Herz fast zerreißt. Die Nähe zu den Menschen, die mir lieb sind, die meinen Alltag besonders machen. Die Orte, an denen wir zu Hause sind, wo wir uns tummeln. Wir geben einander Halt. Wir baden in der Geräuschkulisse und die Gemeinschaft trägt. Jetzt ist es still. Die Orte sind leer und Staub liegt auf ihren Böden.
Es fehlt mir so sehr – überfüllte Orte, viele Menschen, laute Musik, verklebter Boden, heißer Kopf und Glück im Bauch. Musik, die uns alle verbindet und zum selben Rhythmus tanzen lässt. Mir fehlt mein Menschenmeer.
Doch eigentlich stört mich Corona gar nicht. Ich finde es sogar richtig gut, dass dem ganzen Scheiß mal ordentlich ein Riegel vorgeschoben wird. Rums!
„So – und ihr kommt hier nicht wieder raus, bis ihr euch was überlegt habt.“
„Was sollen wir uns denn überlegen?“
„Ja denk mal über dein Verhalten nach!“
„Mein Verhalten? Was denn für ein Verhalten?“
„Das Verhalten, das du so an den Tag legst.“
Ich bin verwirrt – ich verstehe es nicht und es steht mir ins Gesicht geschrieben. Plötzlich bin ich nicht mehr allein. Ich stehe vor einem Tribunal und bin umgeben von Vielen. Sie beginnen zu tuscheln.
„Das versteht sie nicht.“
„Sie versteht es nicht.“
„Sie hat es nicht verstanden.“
Eine Mischung aus Empörung und betretenem Schweigen macht sich breit.
„Sie hat es nicht verstanden.“
Da plötzlich kommt jemand. Er bahnt sich seinen Weg von ganz hinten, nach vorne zu mir.
„Komm mit.“, sagt er.
Das mache ich – einfach so – und mit einem lauten „Phuff“ verschwinden wir.
Noch lange hallt es nach. Ich habe es nicht verstanden, hängt über der Stadt, über dem Land, über der Welt.
Man muss nicht alles verstehen. Manchmal kann man einfach gehen.
Schwupps und weg. Macht gar nix. Ist nicht schlimm. Mach´s gut. Mich stört Corona gar nicht. Ich mag Corona. …. Meine Gedanken tragen mich davon. Es dauert eine Weile, bis es sich schreibt:
„Warum denn eigentlich nicht? Warum denn eigentlich nicht – sauer sein?“
Aber da möchte ich nicht dran denken. Lieber will ich mir einen Tee machen und die Finger an der Tasse wärmen – die, von der rechten Hand – sie sind ein bisschen kalt.
Und dann bin ich fertig. Fertig geschrieben.
Ausgeschrieben, ausgetrieben, ausgepufft, weg verflufft.
Ich fühle mich leicht vernebelt.
Schmuff, schmuff. Schmuffi, schmuffi.
Schmuff – Ich mach jetzt Schluss Corona!
Es schmufft mir mit Dir!
Schmuff, schmuff – coronakrank.
Schmuff – coronadank.
Ich habe jetzt keine Lust mehr.
Schmuff und Schmank – erzähl´keinen Schmank.
Ich lasse jetzt los.
Schmuff di wo.
Hä jupeidoo.
Schmofen im Ofen.
Glasbläserei.
Eierkeckerei.
Mei mei mei.
Desch issa a Ding – I globs ja gar net.