…über das, was uns jetzt schon ein knappes Jahr bewegt, in Schach hält, uns an der Nase herumführt. Und auf derselben tanzt. Uns mit unseren Schönen und Hässlichen, mit unserem Heute und Gestern konfrontiert. Ein gutes Jahr ist es her.
Freitag, der 13. an dem verkündet wurde, dass ab Montag Lockdown ist. Frühlingshaft war es, warm, mit kräftigen Sonnenstrahlen und Vogelgezwitscher. Heute, eben knapp ein Jahr darauf, sitze ich hier auf einer schon gut ausgetrockneten Wiese in der Stille eines für mich frei geräumten Samstagmorgen.
Zwischen hohen alten weisen Bäumen, Sonnenstrahlen im Gesicht und dem Lichtspiel der Sonne samt ihrer frühlingshaften Kraft. Neben mir steht Kaffee. Die rote weiche Decke, die ich sicherheitshalber mitgebracht habe, brauche ich nicht. Mein Mann hat die Kinder geschnappt und ist mit ihnen ausgeflogen. So kann ich hier an meinem Platz ankommen und schreiben.
Und damit könnte ich beginnen. War es doch auch das, was ich wieder begonnen habe. Vor knapp einem Jahr, als auch alles begann. Unspektakulär, aber wie selbstverständlich kam diese Aufforderung. Ich schnappte mir ein Büchlein und nannte es „Corona positiv“.
Eifrig sammelte ich Momente, die mir freudig auffielen. Kleinigkeiten wie z.B. das mit den Delphinen in Triest oder war es Venedig? Oder dass ein Nachbar plötzlich spazieren geht statt spazieren fährt. Dass ich Yoga mache oder machte – täglich, dass wir unser Garten Projekt so richtig angehen konnten, dass ich die Zeit mit den Kindern genieße? Wie glücklich ich mich schätze, am Land zu wohnen. Wie viel Mitgefühl ich habe für jene, die unter beengten Verhältnissen wohnen, für die es zu eng ist. Und die, die Unterstützung bräuchten, aber sie nur schwer bekommen zurzeit. Ich habe an uns und die Welt gedacht, vor welche Aufgaben wir gestellt werden und wie wir damit umgehen, wie lange wir tragfähig sind, wie lange wir zusammenhalten. Ich habe Medien konsumiert, mehr als je zuvor, weil mich zutiefst interessierte, wie auch in der Öffentlichkeit umgegangen wird. Welche Sprache gewählt wird und wie sich diese verändert. Direkt imponiert hat mir der Zusammenhalt der Bundesregierung. Ich fand es spannend und aufregend, dass es nun ein großes gemeinsames Thema gibt für alle unbekannt, auf dass es nun zu reagieren gilt. Abseits von politischen Themen, Agenden, Diskrepanzen. Und dann hat mich auch die Menschheit, die Gesellschaft, wir, berührt und beeindruckt. Da war ein spürbares „Ja wir tragen das mit!“ zu hören, zu sehen und deutlich zu spüren.
Es wurde ruhig, langsam nach innen gerichtet und das forderte uns auf und heraus.
Mich auf sanfte und doch direkte Art und Weise, indem es mich ans Papier holte, wo ich es neu entdeckt habe. Wie gut sich Graphit auf Papier anfühlt und wie alt und essentiell für mich diese Zugänge des Einfachen sind. „Ja, ja, ja, ja, ja!“ Schreit ein schriller Vogel aus dem Wald nebenan zu mir rüber.
Vielleicht haben sich überhaupt Tore zur eigenen Kreativität geöffnet. Das Leben schaffen, es bunt zu machen mit Farbe auf einer weißen Leinwand oder auch schwarz grau weiß mit Stift und Papier. oder es zum Klingen zu bringen, auf der Gitarre, es anzustimmen mit der eigenen, nicht nur inneren Stimme, sich auf ein Spiel einlassen oder wild das Tanzbein schwingen. Alle Zutaten liebevoll bearbeiten um daraus alles zu schaffen, was uns nährt und stärkt. In Verbindung.sein: mit uns und unseren Liebsten. Atme. Zur Ruhe kommen. In Ruhe sein. Bei uns. Jeder von uns. Liebevoll und verbindend. Brückenbauen.
Eingebettet, aufgefangen und getragen und Teil dieser Tragfähigkeit selbst zu sein.
Wissend, dass wir den Großteil selbst erschaffen.
Jetzt brauche ich die rote, warme Decke doch denn die Sonne ist ein Stück weiter Richtung Süden gewandert.
Und nun liegt der Schatten dieser Riesen Lärche in meinem Gesicht. Gut, dass ich sie mithabe.
Gut, dass wir uns in diesem Zusammenspiel aus Licht und Schatten selbst helfen dürfen.
Wenn uns das Leben vor eine Aufgabe stellt, und im Moment sind die Aufgabenstellungen global, mit Ausnahme von ein paar Mutationen ziemlich ident, heißt es: ran an das eigene Werkzeugköfferchen und wir beginnen bei uns selbst. Mit der uns geschenkten Ruhe und Sicherheit, dass am Ende alles gut wird und wir dabei eine Rolle spielen.