Heute fahre ich mit dem Auto zu einem Kunden. ,,Ich habe eine Überraschung für dich,‘‘ mit diesen Worten begrüßt mich mein Gesprächspartner. ,,Komm herein zu mir ins Büro!‘‘ Mein erster Gedanke: Es gibt Kuchen zum Kaffee! Doch die Überraschung ist eine andere. Ich trete ein und sehe einen zweiten Mann im Raum. Er hat eine Mütze und eine FFP2-Maske auf. Erst auf den zweiten Blick erkenne ich Thomas, es ist mein Arbeitskollege von meiner Firma, der seit Jahren mit mir im Büro sitzt! Ihn hätte ich heute hier nicht erwartet. Ah, er ist wegen einer anderen Angelegenheit hier. Ich habe ihn nicht gleich erkannt, da ich ihn heute zum ersten Mal mit Maske sehe. Auf den ersten Blick ein fremder Mensch. Anschließend fahre ich in die Firma. Normalerweise sind hier am Freitag sechs Kollegen anwesend. Heute bin ich alleine, wie fast immer seit einigen Monaten. Der Großteil meiner Arbeitskollegen ist im Homeoffice. Ich habe mich inzwischen an diese Ruhe am Arbeitsplatz gewöhnt und arbeite noch eine Stunde.
Am späten Vormittag fahre ich nach Hause. Im Auto bin ich alleine und meine Gedanken kreisen wieder einmal um Corona. Wut, Zorn und Fassungslosigkeit sind die Emotionen, die jetzt im Moment bei mir auftauchen. Und obwohl ich seit einem Jahr keine Nachrichten mehr im TV sehe, geht diese Nachrichtenflut trotzdem nicht spurlos an mir vorüber. Ich kann und will mich mit Corona nicht mehr beschäftigen! Und das gelingt mir mit jedem Tag besser! Es vergeudet ganz einfach meine Lebensenergie.
Ein schöner Satz von Gerald Hüther fällt mir dazu ein. ,,In der Ruhe liegt die Kraft, die man braucht, um sich auf das zu besinnen, was im Leben wirklich, wirklich wichtig ist.‘‘ Diese Ruhe finde ich heute wieder einmal in einem wunderschönen Hochtal in den Bergen Tirols, in meiner Heimat. Hier wohne ich. Meine Emotionen zum Thema Corona agiere ich am Nachmittag in einer Wanderung aus. In 2500m Höhe am Gipfel eines Berges sieht die Welt gleich anders aus. Ich bin mit mir alleine und der ganze Corona-Wahnsinn verliert an Bedeutung. Das ist wirklich wichtig! Und jetzt will ich nicht mehr schreiben. Schluss und aus Maus hätte ich als Kind gesagt. Wie schön!