Tastmarie, 56, in einer Großstadt lebend, erwerbsarbeits- und kinderlos, immer wieder schreibend

Wie wird das Schwere leicht?

Eine schwere Frage, kommt mir nun vor, da ich sie gestellt habe, unerwartet schwer, ich hatte schon so eine Art Antwort im Kopf, als ich sie stellte – im Sinne von „Eh, klar.“ Aber auch die Idee, den Gedanken, dass es sich oft oder manchmal umkehrt. Das, was ich als schwer vermutet habe, dann eh leicht ist und umgekehrt. Mir kommt vor, dass es sogar oft so ist in meinem Leben, dass es dann eben genau anders ist als erwartet. Funktioniere ich umgekehrt? Das mit dem Loslassen spielt dabei wohl auch eine Rolle. Oder eben die Erwartung.

Wann wird das Schwere leicht? Vielleicht wird es gar nicht leicht – oder schwer, vielleicht ist es, wie es ist, und ist für mich in Relation schwer oder leicht. In Relation zu meiner Erwartung. Unlängst z. B. Vor dem Besuch bei meinen Eltern, nachdem meine Mutter im Spital war und dort Medikamente verschrieben bekommen hat. Die sie beeinträchtigen würden, zumindest bis sie den gewissen Spiegel erreicht hätte – so war meine Annahme, meine Befürchtung. Ich hatte wohl etwas Angst davor, wie ich sie vorfinden würde. Sie war dann bei der Begrüßung schon irgendwie verängstigt, kam mir vor, aber sie erschien mir überhaupt nicht sediert oder so. Darüber war ich sehr froh. Wir konnten spazieren gehen, zwar weniger weit und mit dazwischen auf der Bank sitzen, aber es war möglich und hat ihr auch gefallen. Und mir auch. Es war viel leichter als erwartet.

Wäre es also eine gute Strategie, es schwer zu erwarten? Denn ich kenne ja den umgekehrten Effekt auch, dass ich mir etwas leicht erwarte und es dann nicht so erlebe. Also das mit den Erwartungen. Das weiß ich schon. Abschalten kann ich sie nicht – bisher. Die Ereignisse und Situationen werden also an den Erwartungen gemessen, ganz automatisch – bei mir, oft – oder immer? Sogar habe ich auch schon erlebt, dass mir erst im Nachhinein, durch meine Enttäuschung bewusst geworden ist, dass ich diese oder jene Erwartung überhaupt hatte.

Nun scheint mir, dass mich das Schreiben woanders hin trägt, als erwartet und als es vielleicht sein sollte, von Barbara beachsichtigt war. Denn die Frage, die ich mir am Anfang gestellt habe, ist nicht  so zentral, eher bin ich bei den Erwartungen gelandet. Was ist zwischen leicht und schwer? Es hat mit Relation zu tun, denn absolute Größen sind es ja nicht. Oder – jetzt fällt mir etwas ein, was noch dazu einen aktuellen Bezug hat – da bin ich aber froh. Also – ich war sehr lange nicht testen – in diesen Zeiten muss ja nicht konkretisiert werden, was testen. Ich hatte Angst vor einer Quarantäne und wie ich das machen würde. Dann habe ich es letztendlich doch getan, weil ich es wissen wollte, endlich aus dieser Ungewissheit wollte. Und war danach fast schon euphorisch, erleichtert halt. Habe mir vorgenommen, nun regelmäßig zu gehen, vor dem Besuch bei meinen Eltern z. B. Habe es dann doch nicht gemacht, hatte doch wieder eine Hemmung, wollte mir die Zeit nicht nehmen, es hat niemand abgehoben in der Apotheke, … und hatte ein ungutes Gefühl. Später hat mir jemand von einer Apotheke erzählt, in der man sich ohne Termin testen lassen kann. So wurde es wieder leichter für mich. Also in diesem Fall durch Information. Und durch die Erfahrung vom 1. Mal.

Überwindung kann also auch dabei helfen, von einem Gebirge aus Gedanken, Ängsten, Befürchtungen, Ausreden etwas abzutragen und einen kleineren Hügel daraus zu machen. Vielleicht sollte es gar nicht mein Ziel sein, dass alles leicht ist – obwohl, schön wäre es schon. Komme ich mal dahin, diese Hürden zu genießen, oder ihre Überwindung, mich an den Herausforderungen selbst zu erfreuen nicht erst an ihrer Bewältigung? Mal seh´n. Jedenfalls kann ich mich daran erinnern, dass das Schwere schon öfter gar nicht so schwer war oder leicht geworden ist. Vielleicht kann das Schwere auch leicht oder leichter werden, indem ich es annehme und nicht ablehne, nicht hadere damit? Dann fällt zumindest der Kraftaufwand weg, den ich zum Überwinden meines Widerstandes benötigen würde. Und es ist dadurch schon leichter. Per aspera ad astra. Ich will es nicht so gern glauben, will, dass es leicht ist, glaube, dass das Richtige, das, was passt, leicht geht. Aber wenn schon Steine auftauchen, könnte ich sie auch interessant finden und meinen Weg dadurch schon leichter machen.

Also ja, durch das Tun und nicht Hadern kann das Schwere leichter werden. Und wenn ich es nicht ablehne. Und wenn ich mich vielleicht einmal sogar am Schweren freuen kann, dann müsste es gar nicht mehr leicht werden oder wäre es dadurch vielleicht schon. Ach ja – warum hatte der Satz „Du machst es dir aber leicht!“ so eine vorwurfsvolle Konnotation? Vielleicht wird genau so das Schwere leicht, indem ich es mir leicht mache.