Gibt es überhaupt solch einen Gegenstand? – Ich habe ja nicht das Gefühl, dass ich in dieser Coronazeit so viel anders als vorher lebe!
Sicher, vorher bin ich herumgereist, hab mich in der Wohnung mit Freunden getroffen, Seminare besucht, viele Psychotherapiestunden gehalten, anspruchsvollere Wanderungen als derzeit unternommen. Jetzt geh ich häufig im Wald und der näheren Umgebung spazieren und wandern, oft mit Nachbarn. Das erscheint mir aber auch mit dem Alter bzw. mit meinem Rückfall Gürtelrose erklärbar. Also, nichts ist auffallend anders wegen Corona.
Aber – es ist doch etwas wegen Corona deutlich anders geworden! Mein Laptop nimmt eine zentrale Stelle in meinem Leben ein! Er ist wichtig geworden! Er beantwortet das Thema!
Es ist – näher betrachtet – kaum zu glauben! Vor 20 Jahren wollte ich die letzte Lehrerin sein, die ohne Computer und ohne Kenntnisse darauf in Pension gehen kann. Für mich war damals ein Computer etwas Unnötiges, zum Spielen zu verwenden; Computer waren unheimlich, irgendwie unerklärbar gefährlich (Gab es da nicht Strahlungen, Energien, die uns Menschen gefährden können? War das alles erforscht? Es gab – wie bei den Handys – Diskussionen um Augenprobleme, Vermehrung von Tumorerkrankungen.) Und außerdem erschien es mir mit 50 als zu schwierig, die neue Technik zu erlernen. Wie, durch wen …. sollte das vermittelt werden?
Zwei Jahre später unterrichtete ich wöchentlich zwei Deutschstunden in der Unterstufe am Computer. Ein Informatiker unterstützte mich, Deutschinhalte am Computer zu vermitteln. Ich lernte in diesen Stunden sehr viel und es war zugegebenermaßen nicht uninteressant. Ein wenig Abwehr spürte ich allerdings immer, wenn es wieder neue Programme und Anforderungen gab, Excel, Utis, Modle ….. Schließlich bin ich ja noch in einer Zeit groß geworden, in der alles sehr lange halten und gültig sein sollte, wie Ehen, die damals fürs „Leben geschlossen“ wurden oder ein beruf, den man/frau nicht wechselte, man /frau zog auch nicht so oft um….
Zu beginn meines Ruhestandes wollte ich dann den Laptop nicht so viel benutzen, bis ich registrierte, welche Werte in YouTube, Netflix, Booking com …. verborgen sind.
Und heute öffnet mein Laptop ein Fenster zur Welt. Ich richte mir daheim einen gemütlichen Platz und habe die Möglichkeit, mit der Welt in Kontakt zu treten, wie gerade jetzt mit euch in der Zoomgruppe. Und diese Kontakte sind nicht geschäftlich oder oberflächlich, sie können ein intensiver persönlicher Austausch sein! Ich denke an meine Qigong Kurse, psychospirituelle Gruppen, private Chats über Zoom oder Skype. Auch beruflich – ich arbeite als Psychotherapeutin – wären viele Therapien nicht möglich, bzw. waren sie vor Corona über Computer und Telefon in Österreich nicht erlaubt.
So ist also mein Laptop in der Bedeutungshierarchie ziemlich rasant und weit aufgestiegen. Erstaunlich, wie ein abgelehnter Gegenstand so wichtig werden kann! Er führte ein Schattendasein und wurde in der Pandemie ins Licht gerückt.
So wandeln sich nicht nur Dinge sondern auch Einstellungen, Haltungen, Werte im Leben, jeweils nach Umständen und Zeitgeist. Und vielleicht ist ja der Denkansatz (den Buddhisten lehren) „nicht bewerten, sondern betrachten“ wichtig und ein zu übender! Aber bitte keine Absolutierungen!