Diese Zeit mit und um Corona hat etwas Neues in mir wachgerufen und bewirkt!
Zuerst standen Wut und Ohnmacht gegenüber diesen so unwirklich anmutenden Maßnahmen und Anordnungen der Regierungen im Vordergrund. Und gegen etwas, was nicht sichtbar war und niemand Genaueres darüber wusste, deshalb sollte ich derartige Einschränkungen akzeptieren? Nein, das konnte ich nicht einordnen und wollte es nicht.
Doch da geschah es! Diese plötzliche Stille im Außen, dieses Leisewerden. Kaum Verkehrslärm. In der Nacht Ruhe, nur der Ruf des Kauzes und am Morgen der wunderbare Gesang der Vögel. Nur das Nötigste einkaufen. Viel in der Natur sein. Daheim sein. Mich plötzlich intensiver mit mir zu beschäftigen. All das war ein gewaltiger Schritt. Nein, sogar wie ein neues Tor zu meinem Inneren.
Die ständigen Nachrichten über Corona, die Ängste der Menschen, die Erklärungen der Politiker- das alles zog im Außen wie ein Film vorbei. Ich befand mich plötzlich in meinem eigenen kleinen Kosmos. Mein Kosmos mit meiner Familie und meinem Mann. Meine Kontakte liefen plötzlich nur mehr per Handy, per Skype oder per mail. Eigenartig, mitunter nahezu irreal. Ich konnte es fühlen, dieses Sein im eigenen Kosmos. Meditation ist mir vertraut. Ich meditiere schon lange, bin mit Yoga vertraut. Doch diese neuartige Situation erzeugte eine Dichte, die mir zuerst kurz Angst machte. Doch bald hieß ich sie willkommen und genoss diese außergewöhnliche Zeit.
Als endlich der „Eiserne Vorhang“ im Mai wieder aufging, war es zuerst ungewohnt, in Kontakt mit dem Außen zu gehen. Doch blieb mir keine Zeit nachzudenken. Meine 99 -jährige Mutter verabschiedete sich im Mai für immer von uns. Sie starb nicht an Corona. Vielleicht spielte die psychische Belastung etwas mit, doch sie war eben schon schwach und wollte nicht mehr. Vielleicht hatte sie auch eine Ahnung, dass es nicht mehr so wird, wie sie es kannte, das Leben.
Ich war bei ihr, als sie starb und plötzlich ging nochmals ein Tor für mich auf. Die Angst vor dem Tod war wie weggeblasen. Sie war verschwunden. Die Frage, was ist wirklich wichtig im Leben, was zählt wirklich? Diese Frage kann ich für mich beantworten und ich stelle sie mir immer wieder, wenn ich versucht bin, mich ablenken zu lassen.
So habe ich bedingt durch Corona auch zum Schreiben gefunden, was mir immer ein Bedürfnis war, dem ich aber aus selbsternannten Zeitmangel nicht nachgab. Ebenso habe ich mein Klavierspiel wieder neu belebt und große Freude daran, wieder selbst Musik machen zu können.
So hat die Corona Zeit in mir Neues wachgerufen, mich aufgerüttelt, noch tiefer in die wesentlichen Bereiche meines Lebens einzutauchen und meine inneren Fähigkeiten zum Ausdruck zu bringen.