Zuerst schalte ich das Licht an… um eventuell Licht ins Dunkel zu bringen. Die Frage, wie ich dem Leben begegne liegt auf der Hand, oder vielmehr in meinen Händen.
Ich kann nur soviel sagen, bereits 2020 habe ich „anders“ gelebt. Intensiver, mit mehr Demut und Dankbarkeit. Weil wirklich nichts selbstverständlich ist… Direkt vor dem Lockdown erlebte ich einen fast perfekten Tag bei der Biathlon-WM in Antholz im VIP-Zelt. Ein strahlender Tag, pulsierendes Leben und Euphorie inklusive leckerem Essen und Getränken. Den Luxus haben wir uns mal gegönnt. Jetzt nenne ich das „vorher“ und zu diesem Leben habe ich dazu gehört. Zu einem bunt gemischten Haufen Menschen, aus vielen verschiedenen Ländern. Nachher bis heute, gehöre ich immer noch dazu. Nur der Radius hat sich wesentlich verkleinert, es wird nicht mehr gereist.
Meine Eltern dürfen wieder gemeinsam zum Sonntagskaffee kommen, ob wir nun in der Wohnung sind oder bei schönem sonnigen Wetter, auf den Balkon sitzen. Dieses Jetzt ist ein Jahr später. Dazwischen habe ich einiges erlebt und verarbeitet. Gerade rief mich meine Psychologin an um mich kurz zu beruhigen. In meinem Kopf war ein Drama entstanden das nicht der Realität entspricht, das sogenannte „Katastrophendenken“. Ich habe schon lange gelernt, damit umzugehen. Der wichtigste Punkt für mich dabei ist, eine oder mehrere Nächte darüber schlafen und erstmal alles sacken lassen. Danach schauen was ist, die Ärmel hochkrempeln und selbst aktiv werden…
Wie froh ich bin, dass ich etwas für meine seelische Gesundheit mache. Mein Leben hat sich dadurch komplett verändert. Denn nun gibt es Möglichkeiten oder Optionen. Die gab es vorher auch, nur habe ich sie nie gesehen. Ich habe eine sehr gute Therapeutin gefunden, die mit mir gemeinsam meine lebenswichtigen Themen angeht. Habe ihr auch schon einen Text von diesem Projekt vorgelesen. Obwohl die Zeiten nicht rosig sind, bin ich gespannt was mir das Leben noch zu bieten hat.
Bevor ich die Schultern hängen lasse oder mir die Bettdecke über den Kopf ziehe, kann ich beispielsweise meine Laufschuhe schnüren. So erkunde ich einen Teil von meiner Welt. Diese Konstante, das Laufen wirkt auf besondere Weise. Es setzt oftmals Glückshormone frei und nach einem guten Training bin ich müde und happy zugleich. Nach einem weniger guten Training war ich immer draußen…
Und diese Erfahrung versuche ich ein bisschen in den Alltag zu nehmen. Denn als Läuferin lasse ich mich weder durch mieses Wetter noch durch Corona vom Laufen abhalten. Laufen ist nämlich wie das Leben. Es gibt gute und schlechte Kilometer, genauso wie schnelle und langsame, euphorische wie schmerzhafte, freudige Momente genauso wie traurige. Am wichtigsten ist jedoch die Zielsetzung, auch dieses Jahr nehme ich mir etwas vor und möchte es erreichen.
Ich begegne dem Leben unterschiedlich, denn kein Tag ist gleich. Ebenso wie meine Gefühle. Nur weil ich am Montag Nachmittag lange geweint habe, heißt das nicht, das ich das Lachen verlernt habe. Und ich glaube, genauso möchte ich meinem Leben weiterhin begegnen, mit einem lachenden und einem weinenden Auge!