„Wenn ich erstmal im Ruhestand bin, werde ich viel Zeit haben für schöne Erlebnisse. Ich werde mir die Welt ansehen und es mir ohne Berufsstress gut gehen lassen, nur noch das tun, was mir wirklich Spaß macht.“ So oder ähnlich lautet der Plan vieler Menschen für die Zukunft – so auch meiner. Dabei gehe ich wie selbstverständlich davon aus, dass es mir auch in einigen Jahren gesundheitlich gut gehen wird und dass meine Lebenswirklichkeit so bleibt, wie sie ist. Was aber wird aus den Plänen, wenn das Schicksal in eine andere Richtung geht, z.B. wenn ich krank werde oder etwas anderes geschieht, mit dem ich nicht gerechnet habe?
Da kommt eines Tages völlig unerwartet ein tödlicher hochansteckender Virus daher und lenkt das Leben der Menschen in eine völlig andere Richtung. Millionen Menschen erkranken und sterben und das nicht nur im näheren Umfeld, sondern weltweit. Viele verlieren durch Arbeitslosigkeit oder Verlust der eigenen Existenzgrundlage ihr Einkommen, viele verlieren ihre Angehörigen und dadurch ihren Lebensmut. Welche Pläne hatten sie vor dem weltweiten Lockdown? Eine Familie wollte vielleicht gerade ein Haus bauen, ein Einzelhändler eine Filiale eröffnen. Große Unternehmen wollten expandieren, junge Menschen eine Berufsausbildung beginnen oder ein Startup gründen. Hotel-, Restaurant- und Cafèbesitzer wollten vielleicht renovieren und die Saison im neuen Outfit beginnen. Kultureinrichtungen und Künstler hatten volle Terminkalender… alle Pläne für eine glückliche und entspannte Zukunft sind auf einmal zunichte gemacht.
Wie die Zukunft nach Corona aussehen wird, kann ich mir gerade nicht genau vorstellen. Können wir genauso unbeschwert miteinander leben wie vor der Pandemie oder wird es dauerhafte Einschränkungen geben? Impfungen werden vielleicht eine „Normalität“ wieder herstellen aber ob diese Normalität so sein wird wie vor Corona bleibt abzuwarten.
Die Frage nach meinen Zukunftsplänen habe ich mir vor einigen Jahren auch gestellt, weil es im Familien- und Freundeskreis viele Beispiele dafür gab, dass Wünsche für später aus unvorhersehbaren Gründen nicht verwirklicht werden konnten. Ich nahm mir deshalb vor, nichts mehr auf später zu verschieben und mir nach meinen Möglichkeiten so viele Wünsche und Träume wie möglich sofort zu erfüllen nach dem Motto „später“ fängt ab sofort schon heute an.
Wie Recht ich damit hatte. Mein Eintritt in den Ruhestand war mitten im Coronajahr 2020. Obwohl ich sehr unter den harten Einschränkungen leide bin ich froh, mich an die vergangenen Jahre erinnern zu können. Oft nehme ich mir ein Fotobuch mit den Erinnerungen meiner Reisen durch die Welt oder plaudere am Telefon mit einer Freundin über schöne gemeinsame Erlebnisse. Ich spüre, dass mir das hilft, meinen persönlichen Lockdown leichter zu ertragen und ich hoffe, dass ich irgendwann mal wieder Pläne schmieden kann, die sich dann auch erfüllen lassen.
Auf jeden Fall war es die richtige Entscheidung, nichts auf die Zukunft zu verschieben, denn das Leben findet in der Gegenwart statt.