Alexandra, selbständig als Trainerin und Coach, 53, verheiratet, zwei erwachsene Kinder

Wie es mir geht

Während ich mich immer mehr daran gewöhne, kaum mehr aus dem Haus zu gehen,
während ich immer noch weniger Menschen sehe,
während ich immer reduzierter lebe und mit immer noch kleineren Freuden zufrieden bin,
kriecht von tief in mir eine Traurigkeit hoch.

Die Trauer um ein ungelebtes Leben.
Die Trauer um den verstorbenen Freund.
Die Trauer um vergangenes Glück.
Die Trauer um die verängstigte Nachbarin.
Die Trauer um die einsame Tante im Heim.
Die Trauer um die Endlichkeit allen Seins.

Heute gebe ich meiner Trauer Raum.
Ich weine um gescheiterte Beziehungen
und geliebte Menschen, die ich „verloren“ habe.
Ich weine um verpasste Chancen
und die Katze meiner Nachbarin.
Ich weine um meine Lebendigkeit,
die seit Monaten im Dornröschen-Schlaf liegt.

Ich weine und atme.
Ich schreibe und tanze
all den Schmerz
aus mir heraus.

Um dann – wie Phönix aus der Asche –
aufzustehen und erneut
dem Licht und der Hoffnung
entgegenzugehen.