Ich – ein Mensch, aufgewachsen in völliger, absolut unguter Fremdbestimmung. So lange fremdbestimmt, dass sich daraus ein Glaube entwickelt hat. Ein Glaube, dass diese Fremdbestimmung wichtig und richtig im Leben ist. Dieser Glaube so vertieft, dass der Gedanke „Fremdbestimmung ist gut und richtig“ weitergelebt wurde, obwohl sie nicht mehr bestand.
Dann der Durchbruch, eine Therapie zum Thema Fremdbestimmung. Nach vielen Jahren das Ergebnis: „ Nie wieder wird ein Mensch über dein Leben bestimmen!“
Und dann? Ja dann – es kommt Corona. Zu Beginn die Erkenntnis, es ist eine Krankheit, die sich sehr schnell ausbreitet. Eine Krankheit mit schlimmen Verläufen. Jedoch auch eine Krankheit, die noch weit weg ist.
Ich – der Mensch beginne die Nachrichten intensiver zu verfolgen. Corona kommt näher, Corona wird greifbarer, Corona beginnt die Welt zu bestimmen.
Der erste Lockdown erreicht mein Land und da ist sie wieder – die Fremdbestimmung. Die sollte es doch nie wieder geben. Wie kann ich jetzt damit umgehen das sie wieder da ist?
Corona ist inzwischen in meinem Dorf angekommen. Nicht mehr weit weg, sondern ganz nah.
Ich habe keine Angst selbst zu erkranken, auch heute nicht, ein ganzes Jahr später. Allerdings habe ich riesengroße Angst davor Andere anzustecken. Andere, die dann vielleicht einen schlimmen Krankheitsverlauf haben, oder gar sterben könnten.
Mit dieser Angst im Hintergrund beginne ich die Fremdbestimmung durch die Politik neu zu überdenken. Ich komme zu dem Schluss, dass diese Fremdbestimmung ihre Daseinsberechtigung hat und doch machen die Regeln große Angst.
Jahre damit zugebracht mir einen gesunden Freundeskreis aufzubauen und jetzt?
Keine Kontakte mehr, Einsamkeit, Isolation. Alte ungute Verhaltensmuster tauchen wieder auf. Ich fühle mich um Jahre zurückgeworfen, beginne damit meine Freunde anzurufen, um nicht völlig in die Depression zu rutschen.
Meine Frührente wird stark in einen negativen Vordergrund gerückt. All meine Freunde dürfen arbeiten. Ich sitze zu Hause. Das Ergebnis, lange Tage, an denen kein Mensch mit mir redet.
In meiner Verzweiflung beginne ich mit meinem Hund zu sprechen. Ich kann euch sagen, das ist nicht sehr erfüllend, wenn man keine Antworten, sondern lediglich einen treudoofen Blick erhält.
Trotzdem, diese Fremdbestimmung ist richtig und wichtig, im ersten totalen Lockdown, hier in Bayern, wie auf der ganzen Welt.
Jetzt, ein ganzes Jahr später, glaube ich noch immer an die Notwendigkeit der Maßnahmen.
Meine Geduld und Umsetzungsbereitschaft bröckelt aber. Dennoch bin ich ganz brav und halte mich an alles. Mein Leben hat sich sehr verändert. Ich bin nur noch zu Hause, außer Samstags, zu meinem Wochenausflug in den Supermarkt.
Mein einziger Freundeskontakt, ein lieber Mensch, mit dem ich meine Hundespaziergänge teile.
Das zu Hause ist wichtiger geworden. Viel Zeit fließt darin alles möglichst gemütlich, in Wohlfühloasen zu gestalten.
Ich versuche besonders gut zu mir zu sein, um Depressionen keine Macht zu geben.