Astarte, 68, gehbehindert, wohne mit Mann und drei Kindern im eigenen Haus mit Garten rundherum. Bin trotzdem meistens alleine und raffe mich kaum auf, das Haus zu verlassen.

Mir tun die Corona-Maßnahmen nicht gut

Ach ja, ich fühl mich so’n bisschen wie eine alte Lady und ich bin ja auch gewissermaßen eine. Meine Knie mögen nicht mehr recht und ich mag auch oft nicht mehr so recht. Man bringt mich eigentlich nur mehr aus dem Haus, wenn ich ein Ziel habe, und ja, die Ziele sind mir jetzt irgendwie abhanden gekommen.

Es hat mich noch nie so recht dazu hingezogen, dass ich jetzt spazieren gehen möchte, da musste ich mich immer schon dazu aufraffen. So lang ich noch gut gehen konnte, hab ich mich auch eine Zeit lang jeden Tag auf den Weg gemacht. Dann hatte ich eine Sehnenzerrung am Fuß, die Routine ist abgebrochen und ich bin eben nicht mehr gegangen.

Um mich aufzuraffen, auf den Weg zu gehen, brauche ich ein Ziel: Schreibwerkstatt! Ich bin Mitglied von drei Schreibgruppen, die monatlich stattfinden; eine davon leite ich selber. Findet nur leider keine mehr statt, also bleib ich zu Hause. Gelegentlich gibt es Schreibimpulse und Texte per Mail, besser als nichts, aber wirklich in Bewegung komme ich so nicht.

Lesungen! Da gab es mal eine Zeit, da konnte ich immer wieder bei freien Lesebühnen teilnehmen, manchmal sogar an einem Poetry-Slam, anderen zuhören, selber einen Beitrag leisten. Geht nichts mehr, also bleib ich zu Hause in der „guten Stube“ und spiel Computerspiele.

Mal ein Konzert, ein Kabarett, ein Theaterstück! Kann ich vergessen. Ich sitze auf dem Bett vor dem PC und schau mir Vorträge und Filme an. Meine Knie sind nicht gerade begeistert. Sie werden steifer und steifer.

Ein Kind in der Psychiatrie! Na super. Ich kann es nicht einmal besuchen gehen. Jeden Tag ein Telefonanruf muss reichen. Und ich komme dabei wieder nicht aus dem Haus. Ich sitze allein zwischen vier Wänden und weine.

Einkaufen! Ja, das muss sein, einmal in der Woche, alles per Auto – gefahren von meinem Sohn, so schnell wie möglich, weggesperrt hinter einer Maske, deren Sinn ich beim besten Willen nicht nachvollziehen kann. Sieht einfach nur peinlich aus, finde ich, schaue niemanden an, rede mit niemandem, zumal man sich eh nicht so recht versteht. So schnell wie möglich wieder nach Hause. Also ich muss zugeben, so richtig bewegt habe ich mich wieder nicht.

Ich ertappe mich dabei, dass ich mir neue Ziele überlege: Seniorencafé, Fotoclub, irgendein Kurs, wo sich Leute treffen. Vergiss es! Es herrscht Corona!

Frau, wieso kannst Du Dich nicht selber beherrschen, Dich anziehen und wenigstens zehn Minuten hinaus auf die Straße – und zum Wald sind es auch nur drei Minuten.

„Und wenn andere das können, dann kann ich das …. nicht!“ würde meine Tante sagen. Bei Ihr geht es dabei in der Regel ums Abnehmen.

Ach ja, ich muss eingestehen, die Corona tut mir einfach nicht gut, und ich mir selber ……?????