Astarte, 68, gehbehindert, wohne mit Mann und drei Kindern im eigenen Haus mit Garten rundherum. Bin trotzdem meistens alleine und raffe mich kaum auf, das Haus zu verlassen

Querulieren

Mir ist nach Querulieren zumute. Ich möchte querdenken, mich quer legen und jedenfalls alles anders, als es ist. Wie kann ich mich bloß orientieren und etwas bewirken?

Quelle A gibt sich vertrauenswürdig, will mir das Denken abnehmen, sagt mir, was ich tun muss; gibt mir das Gefühl, aufgehoben zu sein unter vielen, zu den Guten zu gehören, macht es mir vorne und hinten bequem, auf der einen Seite. Sie speist mich mit Parolen und Apellen und nur selten mit Argumenten, schon gar nicht mit widersprüchlichen. Aber Quelle A sagt oft nur die halbe Wahrheit, oder gar nicht die Wahrheit. Sie sagt, fordert und tut Dinge, die ich nicht verstehen kann. Sie verträgt keine Querdenker. Das geht gar nicht.

Quelle B versucht, der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Sie liefert all die Argumente, die mir gefehlt haben. Sie animiert und motiviert zum Widerstand. Oft lässt sie mich schwarz sehen, betroffen den Kopf schütteln, zu vielen Institutionen das Vertrauen verlieren. Quelle B hat sich in meinen Augen die falsche politische Partei unter den Nagel gerissen. Das geht gar nicht.

Ich frage meine innere Quelle. „Das hat so kommen müssen“, sagt meine innere Quelle, „Ihr habt darum gebetet, dass alles anders wird, und so wird es auch sein.“ „Hab Vertrauen!“, sagt die innere Quelle.

Trotzdem ist mir nach Querulieren zumute. Ich möchte quer denken und mich quer legen, weiß bloß nicht, was ich soll und kann und darf, was Sinn macht und was nicht, und dann …. queruliere ich gegen mich selber, lege ich mich vor mir selber quer und zwar total.

Schach Matt für mich und Prost Corona!

Oder habe ich da doch noch ein Schlupfloch zum Meer übersehen?