Lina, Bürokauffrau, 46 Jahre alt, aus dem Westallgäu

„Sätze leeren“

Wie lange soll das noch so gehen? Ich bin leicht verschwitzt, da ich während der Einleitung immer aufgeregter wurde. Dann hörte ich eure Sätze und sah eure Gesichter. Ja, jetzt sitzen wir tatsächlich alle zusammen da und schreiben.

Corona vor einem Jahr und Corona heute. Grenzen zu, Grenzen auf, Grenzen zu. Die Grenzen nicht nur zwischen den Ländern, sondern zwischen den Menschen untereinander und in meinem Kopf. Ohne Maske geht fast nix mehr. Am Anfang waren sie blau/weiß, dann habe ich mir bunte Stoffmasken zugelegt. Etwas Farbe braucht der Mensch. Ich wählte freiwillig rosa mit Blümchen. Dann kam FFP2.

Meine Mutter am Telefon: „…wir haben Euch zwei Masken aus der Apotheke geholt, damit ihr am Montag zum Einkaufen gehen könnt…“ Ja, genau das hat sie gesagt. Ohne Maske keine Lebensmittel. Ich gehe aus anderen Gründen nicht gerne Einkaufen und jetzt wird es immer schwieriger.

Entweder der Hintere in der Warteschlange rückt mir mit seinem Wagen so dicht auf die Pelle, dass er fast meine Waden berührt oder es springt eine Einkäuferin fast zur Seite, damit ich ihr nicht zu nahe komme. Unsicherheit meinerseits macht sich breit. Diese war schon vorher da, doch sie hat sich deutlich verstärkt. Wie lange soll das noch so weitergehen? Ich versuche zu lächeln, so oft wie möglich, vielleicht sieht es mir mein Gegenüber in den Augen an.

Andererseits möchte ich, dass meine Grenze respektiert wird, mitunter meine Angst. Höre ich in einem Supermarkt Hust- oder Niesgeräusche, suche ich schnellstmöglichst das Weite. Jeder Mensch hat seine eigene Meinung. Auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen ist da schwierig, auch oder gerade in einer Pandemie. Die Bereitschaft sich selbst zu schützen, umfasst gleichzeitig die Bereitschaft den anderen zu schützen. Und dies wiederum passt zum Fasching und zur Fastenzeit.

Denn es hat auf jeden Fall etwas mit Verzicht zu tun. Fasten XXL auf unbestimmte Zeit im Jahre 2021. „Soziale Kontakte fasten“, nicht weil ich es will, sondern muss. Über die Alternativen werden andere schreiben.

Ich habe mir gestern den Kölner Puppenkarneval angeguckt. Ein paar Marionetten bzw. Mottowagen waren wirklich originell. Das Beste war das „Funkenmariechen“ und während ich das Schreibe, fängt mein Herz an lauter zu pochen.

Wild herumgetanzt und herumgewirbelt, das Gefühl purer Lebensfreude. Egal was ist und war, das Kölner Funkenmariechen hat gezeigt wie’s geht: bewegen und lachen, so oft es geht.

So komme ich durch und die anderen auch. Denn auf die Frage: „Wie lange soll das noch gehen…?“ hat niemand eine Antwort.