Anima, 51, verheiratet, Mutter 3 erwachsener Kinder, Frührentnerin, wohnt in der Nähe von München

Wie kann meine Angst mich mutig machen?

Um diese Frage zu beantworten möchte ich mich heute mal den Masken widmen. Als sehr kleines Kind lernte ich schon das Masken Angst machen. Masken stehen für Missbrauch, Gewalt und Folter. Nachdem ich mich als junge Erwachsene von all dem befreien konnte, blieb allerdings die Angst vor Masken bestehen. Ergo musste ich mir eine Strategie überlegen, wie ich zum Beispiel an Fasching damit umgehen kann. Jahrelanges trainieren half nicht wirklich und so entschied ich mich für die Vermeidung.

Dann trat Corona in mein Leben.

Noch bevor die Maskenpflicht ausgesprochen wurde war mir klar, dass sie kommen würde. Jetzt hieß es schnell handeln. Ich musste einen Weg finden, wie ich den Anblick von Menschen mit Maske ertrage und einen weiteren Weg, wie ich selbst eine Maske anziehen kann.

In dieser Zeit war die Angst gewaltig, einfach riesengroß aufgebläht.
Der Mut so mickrig klein, dass er für mich nicht im geringsten spürbar war.

Ich begann mir in meinem Fundus witzige Stoffe auszusuchen und nähte Masken für meine Familie und mich. Gemeinsam trainierten wir erst das Aushalten der Masken im Gesicht meiner Lieblingsmenschen. Jeden Tag ein wenig mehr. Dann war ich selbst an der Reihe.Vor dem Spiegel wurde tapfer geübt. Nach vielen heftigen Panikattacken wurde es ganz langsam besser. Ich wurde mutiger, trug meine Maske zu Hause immer länger. Als die Panikattacken nachließen stellte ich fest, dass Masken bei meiner Familie keine Angst mehr machten. Fehlten also nur noch meine Freunde und der Rest der Menschheit. Ich nähte noch weitere 150 Masken, die ich verschenkte. So hatte mein Umfeld wenigstens Masken im Gesicht, zu denen ich einen Bezug hatte.

Meine tiefe Angst, Corona und die vorgegebenen Maßnahmen haben mich mutig gemacht.

Mich mutig meiner Angst zu stellen.

Mich mutig daran zu begeben Strategien zu entwickeln.

Mich mutig daran zu machen, diese auch umzusetzen.

Heute, ein Jahr später ist die Maske für mich selbstverständlich. Schade nur, dass es nicht mehr die lustigen sein dürfen, die mir zuletzt immer mal wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert haben.