Katharina, 54, alleine wohnend in Düsseldorf und nah verbunden mit ihren Menschen, Managerin im internationalen Konzern. Schreiben, Menschen begleiten, Blumen und Draußen sein liebend

Bauchgefühl

„Die Menschen sollen zermürbt werden, damit sie …“

„Wir sollen alle einen Chip eingeimpft bekommen, damit man uns …“

„Das Alles ist eine geheime Vereinbarung, damit die …“

Ich könnte noch viele dieser Theorien ergänzen. Immer geht es um „Die“ und „Man“ und „Wir alle“ oder „Die alle“. Ich habe sie heute Vormittag von einer mir unbekannten Kundin in der Reinigung gehört. Der Ort ist dabei wohl irrelevant und auch, dass ich eigentlich nur meine Bettwäsche zum Waschen und Mangeln abliefern und mit meiner Lieblingsreinigungsfrau plaudern wollte. Plötzlich finde ich mich inmitten von handgebügelten Hemden, Stapeln mit Mangelwäsche und einem paillettenbesetzten Abendkleid am Haken wieder in einem Bombardement von kruden Corona-Theorien begleitet von ebensolchen Handlungsanweisungen.

Was macht das mit mir? Was macht das mit uns?

Mir verschafft es Unwohlsein. Ich bekomme richtig fieses Bauchweh. Draußen, hinter der großen Glasscheibe, sehe ich perfektes Wintersonnenwetter. Es fühlt sich an, als kämen die heftigen Theorien umso mehr auf, wenn Wetter und Natur gerade wunderschön sind. So wie im Frühjahr 2020, als wir in den ersten Lockdown gestartet sind. Ein abstruser Gegensatz: auf der einen Seite die Schönheit der Natur und auf der anderen Seite die hinter den Verschwörungen lauernde böse, dunkle, unfassbare Macht. Unsichtbar wie das Virus.

Ich versuche eine Erklärung oder Antwort zu finden: Es hat Jahre gedauert, bis EU und UK einen BREXIT-Deal ausgehandelt haben. Es ist immer wieder schwierig bzw. nahezu unmöglich, global in irgendetwas Einigkeit zu erzielen. Warum sollte es ausgerechnet hier (wenn auch vielleicht nur einigen wenigen) Regierungen, Weltkonzernen, Reichen oder Mächtigen gelungen sein, sich zu einigen, einen perfiden Plan über Jahre zu entwickeln und diesen zu verheimlichen, um …? Ja, um was denn? Ich bin sicher, dass es auch in dieser Situation Menschen gibt, die für sich ausnutzen, was zu kriegen ist. Die an den Stellschrauben, die sie beeinflussen können, drehen und die Situation für das Gemeinwohl nachteilig beeinflussen, um so für sich das Beste herauszuschlagen. Ich bin wütend und traurig und fassungslos über solche Handlungsweisen. Und muss gleichzeitig einsehen, dass es solches Verhalten in der Menschheitsgeschichte schon immer gab und dass Corona keine Ausnahme macht.

Bin ich ein naives Dummchen, wenn ich den „Verschwörungstheorien“ nicht glaube? Ich spüre, dass diese Theorien auf der Kopfebene stecken bleiben, meinen Rücken erstarren lassen und einen Schraubstock um meinen Nacken legen. Gleichzeitig schüren sie ein dumpfes, diffuses Empfinden. Ist das Angst? So fühlt es sich nicht an. Meine körperliche Reaktion ist wohl eher eine massive Abwehrhaltung vor drohender Gefahr. Mir wird klar, dass die Theorien so nicht an mein Herz und an mein Empfinden gelangen können. Gleichzeitig spüre ich weiter dieses krampfartige Bauchweh, als würde innen drin etwas aneinander reiben.

Ich glaube, das ist es:
Meine Intuition nimmt die Situation wahr, mein waches Bauchgefühl. Gut geschützt von meinem Körper, der schon viel früher spürt als mein Verstand, dass etwas nicht gut für mich ist. Ich weiß, ich darf ihm, meinem Bauchgefühl, trauen. Es schreit förmlich, dass ich das nicht zu mir nehmen soll. Warnt „Achtung! Giftig!“. Ich muss nicht wissen, warum es so reagiert. Die große Klarheit und Deutlichkeit meines Bauchverstandes darf ich einfach annehmen. Ohne mit dem Kopf begründen zu können.

Danke lieber Bauch. Wie immer. Sehr. Danke für Deinen Schutz.

Das Leben ist Liebe. Auch in Corona-Zeiten.