Der erste Körperteil, der sich nach dieser Behauptung meldet, das sind eigentlich meine Beine.
Kurz vor Corona ging es meinen Beinen noch wunderbar. Sie spazierten mit mir damals im Februar 2020 in Portugal an der Algarve. Meine Beine lieben es, mit mir zu reisen, mich den ganzen Tag durch schöne Städte zu tragen, mir die Gassen und Plätze zu zeigen, die ich noch nicht kenne.
Wenn Sie mir etwas ganz besonders Gutes tun möchten, gehen Sie mit mir, entblößt mit nackten Zehen, am Strand entlang und lassen mich Sand, Wasser, aufschäumende Wellen und Sonne spüren.
Nicht nur mein Gesicht liebt die Sonne, sondern auch meine Beine. Sie lieben es, nur von kurzen Röcken oder Hosen bedeckt zu werden, um ja genügend Sonnenstrahlen abzubekommen und völlig frei in den Tag hinein laufen zu können.
Und dann kam Corona – es kam. es blieb und es ist noch immer da! Und meine Beine leiden.
Im ersten Lockdown haben es meine Beine vielleicht gar nicht so mitbekommen, dass sie sehr eingeschränkt waren und wurden. Da ging es eher meinem Kopf schlecht. Er mühte sich mit so vielen Gedanken ab und wollte alles begreifen. Das war so von März bis Juni. Dann begann der Sommer. Meine Beine stellten sich um, sie trugen mich gerne durch meinen Garten, noch öfter als die Jahre zuvor. Ganz zufrieden waren sie mit mir, als ich Ihnen ein Wellness Angebot schenkte, sie durften wieder Wasser spüren. Es waren zwar keine Meereswellen, die meine Beine umspülten, es war wohlig warmes Wasser in meinem neu gekauften Whirl-Plantschi, in das meine Beine tauchen durften, und das alles bei Sonnenschein in meinem wunderbaren Naturgarten. Sie atmeten tief durch, dankten mir für diese Abwechslung und waren den Sommer über zufrieden gestellt.
Im Herbst trugen mich meine Beine wieder zur Arbeit, was sie sehr glücklich machte, bis zum nächsten Lockdown.
Seit Anfang November 2020 geht es meinen sonst so unternehmungslustigen und unternehmungshungrigen Bein-Extremitäten gar nicht mehr gut. Sie leiden unter all den Corona Einschränkungen und werden zunehmend unzufriedener. Homeoffice seit Herbst, Homeschooling. Ausgangsbeschränkungen, Reisebeschränkungen, selbst auferlegte Vorsichtsmaßnahmen und das i-Tüpfelchen auf der Torte der Unzufriedenheit: Kalte nebelige, trübe Tage, an denen meine Beine bedeckt sind von langen Hosen und warmen Wollsocken und so gar keine Sonne abbekommen. Sie sehnen sich so sehr nach Wärme, nach Ortsveränderung, nach einem lauen Lüftchen, nach Sonnenstrahlen, die die Haut zum Brennen bringen.
Als meine Ohren gerade in diesem Moment des Schreibens einen Vogel in meinem Garten zwitschern hören, der voller Inbrunst ein Liedlein zum Besten gibt, blickt mein Herz zu meinen Beinen und flüstert ihnen sanftmütig zu: „Geduld ihr Lieben, der Nebel lichtet sich. Der Frühling steht vor der Tür, er lässt sich nicht mehr aufhalten. Eure Zeit kommt wieder, schneller als ihr es für möglich halten werdet!“
Und da spüre ich sie, ganz deutlich, meine Beine. Sie werden mich wieder tragen, auf Berge hinauf, über saftige Blumenwiesen und Felder. Und ja, vielleicht auch an einen Sandstrand, in den sie, vom Wasser umspült, ihre Zehen in den kühlen, mit Muschelschalen vermischten Kies stecken können.