Anka, 65 Jahre, 2fache Mama u. Oma, nach 45 Berufsjahren jetzt in Rente

Fühle ich mich trotz Corona wohl in meinem Körper?

Der erste Körperteil, der sich nach dieser Frage meldet ist meine rechte Hüfte – mein Sorgenkind seit Beginn des neuen Lockdowns. Angefangen mit tagelangen schlimmsten Rückenschmerzen, die mich in meiner Beweglichkeit so sehr eingeschränkt haben, dass ich mich nachts nicht mehr umdrehen konnte und morgens fast gar nicht mehr aus dem Bett kam. Spaziergänge – absolut unmöglich. Na klasse, der absolute Supergaulockdown! Das wenige, was noch geblieben ist, Bewegung und Spaziergänge sind jetzt auch noch gestrichen. Ich könnte heulen und tu es auch. Am besten gar nicht mehr aufstehen. Für was? Für wen?

Doch mein Körper sagt mir: Nix da, steh auf! Der Schmerz zwingt mich aufzustehen. besser gesagt aufzuwälzen. Mit dem Bewältigen der Alltagsroutine, heißen Kirschkernsäckchen plus Salbe und Schmerzmittel steigt wieder ein bisschen Energie in mir hoch. Ich kann mir Gedanken machen, versuche zu ergründen. Ganz klar für mich: Die Angst – das Erkennen, dass das mit Corona jetzt schon wieder so richtig los geht. Es ist kein Licht am Ende des Tunnels und das blockiert mich total. und damit wohl auch meinen Rücken, mein Kreuz. Es ist diese Kreuz, das ich nun wieder tragen muss. Im vergangene Sommer war es doch leichter geworden. Ich muss mir Hilfe holen. Arztbesuche, Physiotherapie haben für mich wohl auch etwas gutes. Man MUSS unter Menschen, die sich für mich interessieren, fragen wie es mir geht und mir helfen wollen. Richtige Menschen zwar mit Maske, aber von Angesicht zu Angesicht.

Ich kann mich nicht mehr vor lauter Coronaangst verstecken, wenn es mir besser gehen soll. Im Laufe der Zeit und der Therapien verlagert sich der Schmerz Richtung Hüfte. Und dann noch in den vorderen Unterbauch. Na super, so hab ich wenigstens etwas, worüber ich in den vielen schlaflosen Nächten grübeln kann. Zur Coronaangst kommt jetzt auch noch Krebsangst hinzu. Ich denke an meine geliebte Oma, die an einem Unterleibskrebs verstorben ist. Und an meine Gene. Man müsste da mal nachschauen – Vorsorge ist eh wegen Corona mehr wie überfällig… Also muss ich schon wieder meine Scheu vor Menschenansammlungen überwinden. Mit Maske geht das. Hab ich ja gelernt. Und es ist alles ok, also doch die Hüfte. Schwierig für mich. Die tolle Aussicht auf eine künstliche Hüfte hat mir schon mein Orthopäde gemacht.

Aber nicht jetzt! Ich brauch JETZT Bewegung und Spaziergänge in der Natur! Dann nehme ich halt Schmerzmittel – ist eh schon wurscht. Ich nehme ja seit neuestem auch was zu Schlafen. Ich hab schon einige schwierigste Lebensumstände ohne Schlafmittel und ähnliches überstanden. Aber was ist jetzt aus mir, der lebensfrohen und rüstigen Mittsechzigerin geworden? Danke Corona. Du machst mich schon krank ohne mich bis jetzt (Gott sei Dank!) befallen zu haben. Alleine dadurch, dass du in der Welt bist.

Ich arrangiere mich mit dem Schmerz, Therapien helfen nicht wirklich. Zudem kommen noch Schmerzen in der rechten Schulter hinzu. Kein Wunder! Bei der eingeschränkten Handlungsfreiheit in meinem Leben ist das eine logische Schlussfolgerung. Ich versuche mir meine Schmerzzustände, die die rechte Seite meines Körpers betreffen, zu erklären. Das hilft mir, scheint mir logisch. Und – dem Internet sei Dank – ich stoße auf einen Muskel, mir vorher unbekannt, der Iliopsoas. Er wird doch tatsächlich der Muskel der Seele genannt, macht große Probleme bei Stress. Die Themen des Muskels sind Festhalten, Fixierung, Kampf und Flucht, seelische Traumata. Das passt doch wie Faust auf Auge! Spannend finde ich das.

Meine Symptome bis hin zum Ziehen in den Unterbauch werden auf verschiedenen Foren beschrieben. Schulmedizinisch oft verkannt. Mein Physiotherapeut therapierte dann ab der 13.! Behandlung wegen meiner Vermutung anders – schon nach einmal wurden die Beschwerden besser. Schmerzmittel brauche ich jetzt ganz selten. Im Grunde genommen ist es mir unangenehm, mich mit meinen Befindlichkeiten allzu sehr zu befassen. Für die anderen aber war ich diesbezüglich privat und auch beruflich immer da, hatte immer ein offenes Ohr und Hilfestellung parat.

So zwingt mich auch hier Corona indirekt Innezuhalten, nach mir zu sehen, mich zu verstehen und auf meinen Körper zu hören. Eben durch diese Schmerzen. Ich muss mir wichtig sein! Braucht es denn immer einer schmerzlichen Erfahrung im Innen sowie im Außen, um sich ernst zu nehmen und nach wichtigen eigenen Bedürfnissen zu leben? Ja im Kopf hab ich das ja schon immer gewusst – für die anderen. Die richtige persönliche Umsetzung wird dann notwendigerweise erzwungen durch das Leben, unser großer Lehrmeister. Dieser Lehrmeister überschüttet zur Zeit unseren wundervollen, blauen Planet mit diesem kleinen heimtückischen Virus. Unsere Erde leidet schon lange unter Schmerzen – im Kleinen wie im Großen. Es wollte auch so keiner richtig hinhören, richtig sehen was da schief läuft global bis hin zu uns einzelnen Individuen. Bei so manchen setzen sich Erkenntnisse durch.

Man sieht, dass es so nicht weitergehen kann. Neue Ideen und Visionen werden geboren in der Hoffnung auf eine bessere Welt. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass die Zeit, in der uns so vieles verschlossen war sich viele neu Türen öffnen werden in eine bessere Zeit. Und dass ich einmal sagen kann : Diese Zeit damals war notwendig für uns, vieles hätte sich ohne die neu gewonnenen Erkenntnisse nicht ins positive verändert. Mittlerweile mache ich sehr oft Gymnastik, speziell auf mich abgestimmt, Yoga und Hometraining für die Fitness. Siehste Leben, geht doch!