Elfriede, 58 Jahre, Mutter/Witwe, 4 erwachsene Kinder , Großstadt, Trainerin

Spüren – ein Körperteil meldet sich

Du meldest dich. Willst gehört, willst beachtet werden. Es passt dir überhaupt nicht – dieses lange Sitzen. Na bravo, da habe ich zwei Verbündete in meinem Körper. Mein Rücken und seine Verlängerung nach unten. Was wollt ihr? Ich schenke euch Aufmerksamkeit und sorge für die, den Umständen entsprechenden, Arbeitsbedingungen.

Außerdem seid auch ihr Zwei es, die mich hinaustreiben und genau dort spüre ich von Euch nichts. Meine 10 km Powerwalken jeden zweiten Tag durch den Wald. Wie sehr brauche ich das. Da draußen passiert etwas. Fest verbunden mit der Erde und doch mittendrin im Himmel.

Die Gedanken fliegen, wobei – zunächst tun sie das überhaupt nicht. Da ist noch ein Vakuum – ich, die das mit dem Meditieren nicht wirklich hinbekommt, weil sofort ein Gedankengewusel einsetzt – hier im Wald geht das.

Ich denke an eine philosophische Reise in die Toskana und die morgendliche Einstimmung mittels griechischer Tänze. Egal in welchem Tempo diese sind, immer wird der Fuß kurz vor dem Auftreten angehalten, damit ‚Mutter Erde – Gaia‘ sanft betreten wird. Auf ihr wird nicht herumgetrampelt. Sie wird mit großer Liebe bedacht.

Das mache ich bei meinen ersten Schritten. Da kommen meine Walkingstöcke ganz bewusst noch nicht zum Einsatz. Noch ist da Asphaltboden und das Klack-Klack der Metallspitzen würde mich stören. Dafür richte ich mich auf. Mache mich ganz groß, spüre Wirbel für Wirbel und meinen Hals. Er streckt sich und mit ihm mein Kopf. Klare, weite Sicht und doch schaue ich nach innen.

In den letzten Wochen gab es ‚Wetter‘. Also alles – Schnee, Regen, Frühlingsluft, hell, nebelig, trocken, feucht, klirrend-Nase-beißend kalt, Sonnenumhang warm.

Gut – auch das habe ich erschnuppert, erfühlt – jetzt kommen die Bäume zu Wort. In ihnen hocken immer mal ein Vogerl. Ich höre sie singen. Was sagen sie wohl, wenn sie uns reden hören? Ganz automatisch ist da ein Lächeln auf meinem Gesicht. Die Augen schauen. Ja genau – sie schauen jeden an. Wie ungewöhnlich! Mein Lächeln irritiert oft ganz kurz und dann kommt es zurück – „hallo…“

Wenn ich so dahinflitze – vollkommene Einheit – dann erlebe ich Wunder. Ich durchschreite Zeitlöcher. Es ist auf einmal so, dass ich weg bin. Ich sehe die eindeutigen Kilometermarkierungen nicht. Sie sind mir auch nicht wichtig in dem Sinne: ‚Wie viele habe ich schon geschafft? Wie viele liegen noch vor mir?‘

Sie – diese Zahlen: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 – haben in sich für mich eine Bedeutung!

Die Eins 1! Habe ich mich nicht immer darüber gefreut, wenn sie als Note/als Bewertung daherkam? Oder wenn ich bei einem Wettrennen, Spiel oder so die Erste war?

Die Zwei 2! Das ist sowieso meine Lieblingszahl. Wenn ich sie spiegle, ergibt sie ein Herz

Herzenergie – genau da will ich wohnen! Genau dafür lebe ich. Meine tiefe Verbundenheit mit dir Mutter Erde/Vater Himmel lässt Glücksgefühle purzeln und dann ist es da – irgendwo – einfach so. Dieses geheime Zeichen. Dazu muss ich keiner Freimaurerloge oder Ähnlichem angehören. In meiner Selbstvergessenheit gleite ich die Wege entlang.

Waldboden: weich, wurzelig, Blätter, Steine, Braun, Grau, uneben…

Ach ja, dieses geheime Zeichen – Bäume haben es – ganz oft in ihrer Rinde und dann, wenn Menschen deren Leben beenden, sie fällen, zerstückeln – dann ist es da. Bei manchen Bäumen! Mittendrin ist ein Hohlraum – vielleicht ist es genau dieser, der sie zu Fall brachte – eine Sicherheitsmaßnahme. An der Querschnittstelle sind die Jahresringe. ‚Wie alt bist du Baum?‘ Ich schaue genauer hin. Da ist es ja! Dieses geheime Zeichen! Ein Herz! Welch ein Wunder! Gerade in seinem Tod zeigt mancher Baum es mir. Danke Baum.

Und wieder richte ich mich auf. Spüre Leichtigkeit.

Danke Füße, dass ihr mich tragt.

Danke Beine

Danke Rücken – du bist mein Thermometer. Wieviel Grad zeigst du? Welcher Wirbel meldet sich?

Nein Corona – DU brichst mich nicht!