Patty, 39, Mama einer 7-jährigen Tochter, verheiratet, Studentin und Hausfrau, wohnhaft in Rehburg-Loccum/Bad Rehburg, Niedersachsen, Deutschland

Trotz Corona geht es mir in meinem Körper gut…

Die erste Stelle in meinem Körper, die sich meldet, wenn ich diesen Satz sage, sind meine Augen.

Meine Augen sind die erste Stelle an meinem Körper, die morgens, wenn ich wach werde, in Betrieb sind. Sie öffnen die Türe zu meinem ganz persönlichen neuen Tag. Oftmals schließen sich meine Augen kurz nach dem ersten Öffnen wieder für einen Moment. Ich gebe Ihnen die Zeit, denn ich weiß, ich bin danach viele Stunden auf meine Augen, die mir so Vieles ermöglichen, angewiesen. Sie geben mir morgens nach dem Aufstehen einen ersten Blick in die Welt da draußen. Einen ersten Eindruck, eine erste Aussicht in diesen neuen Tag. Unmittelbar nach dem Aufstehen sind meine Augen noch schwer. Sie müssen sich erst langsam an den ‚Wachzustand‘ gewöhnen, an das Licht, an das Tageslicht.

Meine  Augen sind das Tor zur Welt da draußen. Ich nehme so Vieles mit meinen Augen auf, nehme so Vieles wahr und fange so Vieles mit ihnen  ein. Eindrücke, Bilder, die Natur,…Mein erster Blick morgens wandert meist in den Garten. Durch die Balkontür hinaus, streift mein Blick in diesen wundervollen Garten. Ich fange mit meinen Augen Alles ein, was ich in diesem Moment erhaschen kann. Ich halte inne und lasse diese ersten Bilder und Eindrücke neben einer ersten Tasse Kaffee auf mich wirken. An den Tagen, an denen meine Tochter zur Schule muss – bei uns in Deutschland/Niedersachsen, derzeit  an jedem zweiten Tag in der Woche –  da ist dieser erste Moment sehr kurz. Oftmals hole ich diesen ersten ‚Blick-Moment‘  später noch einmal nach, wenn ich zurückkomme, nachdem ich mein Mädchen zur Bushaltestelle gebracht habe.  Auf dem Weg zur Haltestelle und zurück nach Hause, nehme ich bereits einen großen Schwung an Eindrücken mit.

Ich sauge mit meinen Augen alles an Bildern auf, was sich mir auf diesem kurzen Weg bietet. Eigentlich ist es immer derselbe Weg, den ich unterwegs bin, aber es sind trotzdem immer neue Bilder, die ich auf diesem Weg mitnehme. Mal  fotografiere ich mit meinen Augen das Lächeln der Sonne, was sich jetzt allmählich wieder öfters, wenn auch noch zaghaft, zeigt. Mal sind es auch einzelne Regentropfen, die sich einfach auf meiner ‚Linse‘ verirren.

Ein anderes Mal sind es die aufgeregt umher flatternden Vögel, die eifrig auf Futtersuche sind und die sich in mein Blickfeld ‚drängen‘. Es sind vielleicht die noch kahlen Äste der vielen Bäume, die meinen Weg nach Hause wie eine Allee säumen oder die vielen bunten Farben, die mir der Himmel morgens manchmal präsentiert, als ob er mir sagen möchte ‚Schau, heute wird wieder ein ganz besonderer Tag‘!  Danach komme ich nach Hause und meist bei einer zweiten Tasse Kaffee werfe ich nochmal einen ausgedehnten Blick nach draußen in den Garten. Mit den dabei ‚eingefangenen‘ Bildern, male ich mir insgeheim schon mein gedankliches  ‚Gesamt-Tageswerk‘ aus, was der Tag wohl für mich bringen wird, was er für mich bereithalten wird?

Meine Augen sind also meine erste (Schalt)-Stelle, die sich meldet, wenn ich meinen Tag beginne. Auf sie ist immer Verlass. Sie sind für mich immer da, auch in der neuen Corona -Normalität. Sie unterscheiden nicht zwischen Corona oder Nicht- Corona. Sie begleiten mich jeden Tag aufs Neue, verschaffen mir jeden Tag aufs Neue einen ersten Eindruck, einen ersten Blick davon, was die Welt da draußen für mich, an diesem neuen Tag bereithält.  Und das ist wichtig und essentiell , denn meine Augen sind fast schon wie eine Schaltzentrale. Sind sie geöffnet und in Betrieb, so setzen sie ganz Vieles an mir parallel in Gang. Meinen Kopf, meinen Atem, der sich dem Tagesrhythmus anpasst, meine Nase richtet ihre Geruchsknospen aus und überbringt mir erste „Duftproben“ von diesem neuen Tag. Meine Arme und meine Beine, sie strecken und sie recken sich nach diesem neuen Tag.

Meine Augen sind die Boten, wenn es darum geht, meinen Körper und meinen Geist zu wecken und zu sagen ‚Guten Morgen, Körper, ein neuer Tag hat begonnen, es kann losgehen‘! Trotz Corona geht es mir in meinem Körper gut, weil ich meine Augen habe, auf die ich mich verlassen kann und die mir einen Blick dafür geben, was gerade eben wichtig ist, was wichtig für mich ist. Uns sie geben mir einen vielleicht einen Ausblick darauf, was für den Tag noch wichtig werden wird oder werden könnte.