Tastmarie, 56, in einer Großstadt lebend, erwerbsarbeits- und kinderlos, immer wieder schreibend

Trotz Corona geht es mir in meinem Körper rundum gut!

Die 1. Stelle, die sich nach dieser Behauptung in meinem Körper meldet, ist mein unterer Rücken, auch Kreuz genannt. Und etwas später habe ich gespürt, dass meine Füße kalt sind – trotz der warmen Socken. Ein heißes Fußbad würde helfen – das habe ich schon oft gemacht in letzter Zeit, neu entdeckt für mich. Ich mache mir die Arbeit mit dem Her- und Wegräumen jetzt – früher wollte ich das nicht so. Weil ich weiß, dass mir das Fußbad sehr gut tut.

Aber jetzt ist ja schreiben dran und später essen und zum Zug, um meine Eltern zu besuchen – nach längerer Zeit wieder einmal. Ich bin schon gestresst davon, wie wird es sein, wie wird es meiner Mutter gehen, wie meinem Vater, was werde ich vorfinden? Etwas, das mich beunruhigt. Sind sie beide gut versorgt. Ich vermute, sie brauchen noch mehr. Mehr Unterstützung, mehr Entlastung. Kann ich das leisten – nein, die Frage ist, was kann und was will ich leisten, wie kann ich mir wenig bis keinen Druck machen damit.

Das ist eine Herausforderung – ich nenne es mal so. Das schlechte Gewissen meldet sich ja sehr schnell – du tust zu wenig, du könntest mehr tun, du hättest vorher testen gehen sollen, was denken sich meine Geschwister, meinen sie, ich sollte mehr tun, wo ich doch eh keinen Job habe derzeit? Spielt sich das nur in meinem Kopf ab, mein Leben und meine Kapazität verteidigen zu müssen? Kritisieren sie mich gar nicht – in ihren Köpfen oder wenn sie mit jemandem reden? Egal eigentlich. Naja, es ist keine schöne Vorstellung, dass sie so über mich reden oder denken könnten. Aber derzeit ist es in meinem Kopf, da spielt sich das ab. Und insofern … Es ist ja niemandem geholfen, wenn ich mir Druck mache und mich schlecht fühle.

Die Sonne scheint und ich habe vor, mit meiner Mutter spazieren zu gehen. In den Wald vielleicht wieder, wo wir schon gegangen sind. Anscheinend hat sie sich daran erinnert, als sie mit meiner Schwester dort war – nicht an mich wahrscheinlich, aber dass sie mit jemandem hier war. Es kann ja auch schön werden – raus aus der Großstadt und wieder in das Landleben eintauchen, die viele Natur rundherum, die Ruhe, die Bäume, die Sonne, die Luft. Darauf freu ich mich. Und wenn ich darüber schreibe, breitet sich die Freude etwas aus in mir. Sie kann sich ausdehnen, Platz nehmen im Sinne von Raum einnehmen. Ein Lächeln kommt. Und wieder diese fast bange Frage – darf es mir gut gehen? Ja, immer wieder stelle ich sie mir oder ist sie latent da. Meine Zehen sind kalt, ich bewege sie, das tut schon ganz gut – und lang ausatmen, tiefer atmen. Ich spüre auch Druck bei den Augen, Spannung im Unterkiefer – lang ausatmen. So ein leichtes Pulsieren im Hals – oder/und eine Art von Trockenheit – obwohl ich schon viel Tee getrunken habe heute.

Zurück zur Freude, zum Plan, mit meiner Mutter im Wald spazieren zu gehen. Aufatmen. Die Sonne scheint. Es ist doch für alle Beteiligten besser, wenn es mir gut geht, ich fröhlich bin – das sage ich mir und glaube auch daran. Allerdings – es könnte jemand neidisch werden. Jemand, dem oder der es nicht gut geht. Ja, das könnte passieren. So wie ich manchmal neidisch bin auf andere, denen es anscheinend besser geht als mir, die das Leben mehr genießen – selbst in Zeiten von Corona. Es fühlt sich nicht so angenehm an, neidisch zu sein. Also doch lieber riskieren, dass ich mich wohl fühle und jemand anders neidisch ist. Vielleicht strahlt ja die Fröhlichkeit aus und findet Resonanz in diesem Jemand.

Es ist wohl das Beste. Auch wenn es nicht selbstverständlich ist für mich und ich diese Gedankenspiele immer wieder durchexerzieren muss anscheinend. Wenn der Druck anscheinend nur auf die Gelegenheit wartet, sich breitzumachen. Durchatmen. Freude hat ja auch ihre Berechtigung. Warum soll der Druck so viel wichtiger sein? Oder mal aufhören mit diesem Durchdenken und einfach meinen Körper spüren, ihn wahrnehmen. Egal ob mit Druck oder Freude. Das hilft. Gar nicht kämpfen gegen den Druck und die Freude vergrößern wollen. Meinen Körper wahrnehmen, egal, was grad da ist.

Die Hände auf der Tastatur spüren – der Gedanke, dass das Barbara nicht gefallen wird – sie hat doch das Schreiben mit der Hand bzw. dem Stift propagiert oder favorisiert – aber ich schreibe halt so viel lieber mit beiden Händen, damit es nicht so rechtshandlastig ist –, das Surren des Laptops hören, die Füße spüren – sie sind nicht mehr so kalt, lang ausatmen, nichts müssen. Ja, da ist noch oder wieder die Spannung im unteren Rücken – und ich kann sie wahrnehmen, ohne sie weg haben zu wollen. Auch die Trockenheit im Mund jetzt – ok, sie ist da, kein Drama. Ein Lächeln. Meinen Hunger spüren und die Spannung im Nacken, wenn ich den Kopf etwas nach vorn senke. Darf da sein. Und ich muss auch nicht alles akribisch aufschreiben, was ich spüre und wahrnehme, darf es einfach wahrnehmen und sein, da sein lassen.