Elisabeth, 65 Jahre, Ehefrau, Mutter von 3 Kindern und 4 Enkelkindern, selbständig, pflegt den kranken Ehemann, wohnhaft in einer Kleinstadt

Corona ist ein Katalysator.

Was ist ein Katalysator? Ein chemischer Stoff, der eine Veränderung in Gang setzt, ohne sich selbst zu verändern. Ok. Corona verändert sich. Mutiert, aber im Kern bleibt es dasselbe. Warum sage ich das also: Corona ist ein Katalysator?

Corona verändert die Menschen, verändert die Gesellschaft, verändert die Politik oberflächlich. Indem Regeln eingeführt werden, die alle widerspruchslos akzeptieren. Oberflächlich, indem die Menschen, wie ich finde, leichtfertig Überzeugungen aufgeben, Werte der initiierten Angst opfern. Es verändert die Politik und die Politiker, die sich immer mehr Recht herausnehmen, die ihnen bei nüchterner Betrachtung nicht zustehen. Indem Politiker ihre Ansprüche der Angst opfern.

Und Corona verändert uns auf einer tiefen Ebene in unserem Kern. Wenn wir es denn zulassen und erkennen können. Zunächst einmal ist es ein Spiegel. Er führt uns unmittelbar vor Augen, wie sehr die Menschen sich heute hinter Masken verstecken. Das haben sie immer schon getan. Es wurde nur nicht so sichtbar. Anscheinend schämen sie sich dafür. Denn meine Erfahrung ist, dass niemand, der mit Maske vor dem Gesicht herumläuft, einem in die Augen schauen kann. Die Leute blicken weg wie kleine Kinder, die etwas ausgefressen haben.

Wir könnten also hinschauen und erkennen. Ach, so ist es. Leider schaut niemand hin, sondern die Menschen fordern. Energisch, dass jeder anfängt, die Maske überzuziehen.

Corona konfrontiert uns mit unserer unseren tiefsten Ängsten. Das ist zunächst einmal die Angst vor dem Tod. Wenn niemand Angst hätte zu sterben, würden die ganzen Maßnahmen ins Leere laufen, weil es keinen interessieren würde. Würden die Politiker gar nicht auf die Idee kommen, uns vor was auch immer schützen zu wollen.

Apropos schützen: An dieser Stelle glaube ich den Politikern eh kein Wort. Denn eine Politik, die Alkohol, Zigaretten, Fastfood toleriert und die Glyphosat erlaubt und Waffen produzieren lässt, ist wohl kaum am Wohlergehen der Menschheit interessiert. Also fordert uns Corona auf, uns mit unserer Angst vor dem Tod auseinanderzusetzen.

Und dann ist da die Angst vor Einschränkung, vor Fremdbestimmung. Das ist mein Riesenthema. Ich hasse es, wenn irgendjemand mir erklärt, dass ich etwas Bestimmtes tun muss. Das Wort Muss ist ein absolutes No-Go für mich. Mein Vater sagte immer: Sterben muss ich und sonst muss ich gar nix. Recht hatte er.

Ich könnte mich jeden Tag aufs Neue darüber aufregen, dass ich eine Maske tragen soll. Menschen nicht treffen darf. Niemanden umarmen soll. Ganz ehrlich, es geht mir am Hintern vorbei. Ich treffe mich mit so vielen wie mutig genug sind es auch zu tun. Ich umarme jeden, der es auch will und zulässt und wann immer es möglich ist und manchmal auch dort, wo es nicht möglich ist, trage ich keine Maske. Ja, manchmal gehe ich ohne Maske einkaufen und wenn ich gut drauf bin, sicher in mir selbst bin, passiert spannenderweise gar nichts.

Aber es ist anstrengend und es zeigt mir wieder und wieder, jeden Tag neu, wie anders ich ticke als der Rest der Welt. Das war schon immer so und ich kenne Ausgrenzung und Ablehnung. Mein ganzes Leben lang. Aber nicht in diesem Maße. In diesen massiven Formen. Nicht so offensichtlich und deutlich.

Corona bringt es unbarmherzig ans Licht. Corona ist ein Katalysator.