Anka, 65 Jahre, 2fache Mama u. Oma, nach 45 Berufsjahren jetzt in Rente

Allein – Gemeinsam

Kann man das Alleinsein lernen? Was bedeutet Alleinsein? Nicht oft genug hinterfragt in Zeiten der Ablenkung, des Überflusses, der grenzenlosen Möglichkeiten. Alleinsein? Durch Corona erst richtig ins Bewusstsein gerückt. Meine persönliche Entscheidung zu dieser Lebensform wird hinterfragt.

In dieser Zeit fehlt Gemeinschaft, Unternehmungen mit lieben Menschen. Plaudern, lachen, staunen. Teilen. Aber auch sich arrangieren, abwägen, vielleicht sogar einschränken, zurückstecken. Alleine sich treiben lassen, tun und hingehen was und wo es einem gefällt ohne Rücksicht auf andere Wünsche und Befindlichkeiten zu nehmen kann ja auch befreiend sein. Freiheit in Zeiten der durch Corona aufgezwungenen Unfreiheit. Ich schaue genau hin, will mir doch über das Alleinsein meine Gedanken machen. Und komme so auf die Freiheit. Im Alleinsein kann also Freiheit liegen. Leben nach eigenem Rhythmus ist be – frei – end. Zumindest für mich – zumindest oft. Aber nicht immer. Manchmal auch als Leere , ein Vakuum empfunden, welches man füllen möchte.

Meist jedoch empfinde ich es als angenehm, so zu Leben wie ich will. Mit all meinen Marotten. Nicht fragen zu müssen, nicht gefallen zu müssen, sich nicht verbiegen oder arrangieren. Fast alle Zeit des Lebens in Gemeinschaft verbracht ist es wohl die richtige Entscheidung, so zu leben wie es jetzt ist. Es ist gut so. Es wird in diesen Zeiten, in denen man viel Raum hat, sich mit sich selbst zu beschäftigen immer klarer.

Die Gemeinschaft kann auch diktieren, in eine bestimmte Richtung drängen, vereinnahmen. Aber der Mensch ist trotzdem ein soziales, geselliges Wesen. Braucht Kontakte zum Leben. Auch das wird mir immer klarer. Verspüre Lust auf einen Kino- oder Restaurantbesuch in geselliger Runde, auf eine mit vielen Menschen gefüllte Fußgängerzone, auf small talk. Was manchmal genervt wird heute zur Sehnsucht. Jedes Mitglied einer Gemeinschaft ist auch zuallererst ein einzelnes Individuum. Die Waagschale sollte immer ausgewogen sein. Das Gleichgewicht zu finden ist im Alltag oft schwer. Man lässt zu, dass man zu sehr belastet wird zum Wohle der Gemeinschaft. Aber alles hat seine Zeit. Der Ausgleich kommt. Irgendwie, irgendwann. oder jetzt – zu Coronazeiten.

Und nach dieser Herausforderung freue ich mich darauf wieder viel Zeit in Gemeinschaft zu verbringen, um mich danach wieder allein zu Hause zu finden. Alleine in meinem kleinen Reich mit viel Raum für Gemeinschaft.