Was mir fehlt, am meisten fehlt, sind Treffen mit Freunden in geselliger Runde. Die Gruppe, die Freundinnen, ein Mädelsabend, der echte Austausch. Meine Welt ist geschrumpft auf Familienleben, Kinder, Mann und Haushalt.
Ich vermisse Impulse und das Philosophieren nach ein, zwei Gläsern Wein. Die Weite, die jenseits vom eigenen Tellerrand wartet. Leute treffen, Neues, Frisches, neue Ansichten und Ideen, den lockeren Austausch unter mehreren. Ich vermisse die warme, gesellige Stimmung in Lokalen. Horizonterweiterung in Gesprächen. Fremde Menschen kennenlernen.
Stattdessen verschlinge ich aktuell Bücher in rauen Mengen. Bücher zu Themen, in die ich mich immer mehr vertiefe. Neues lerne. Ich bin so hungrig nach neuen Impulsen. Nach Austausch. Ich könnte aktuell zehn online Workshops nebeneinander besuchen. Ein zufälliges Treffen, ein spontan entstandenes Gespräch wenn sich vor der Schule mehrere Eltern treffen und einmal nicht über Corona reden, ist wie Kraftfutter für mich. Das trägt mich dann durch den ganzen Tag. Oder auch bei unserem letzten ZeitZeugen online Schreibtreff am Dienstag: Das anschließende Gespräch, welches sich nach dem Lesen der Texte entwickelt hat und das mir so gut tat. Zusammengewürfelt in der Dreiergruppe mit Fremden und diesen Menschen durch die geteilten Texte so nah zu sein, das war für mich wie Balsam. Austausch unter Erwachsenen, nicht immer nur Kindergesellschaft, Hausübung und Streit schlichten. Ein erfrischender Wind zwischen der Alltagsnebelbrühe.
Dieser Austausch in der Gruppe hat mich dazu inspiriert, einen Online Mädelstreff einzuläuten. Nächste Woche, jeder ein Glas Rotwein in der Hand werden wir uns zuhören. Schön artig den anderen ausreden lassen. Kein Durcheinanderplappern. Kein euphorisches, übereinstimmendes Synchronkreischen. Schade. Die Regeln ziehen sich durch und tief hinein in die persönlichen Beziehungen und Kontakte. Bis weit ins Privatleben sind die Spuren der Coronamaßnahmen spürbar. Die Nähe zur Familie, die ich kaum mehr aushalte, weil wir viel zu lange, viel zu eng zusammen eingesperrt sind. Kein Besäufnis, keine Sportkurse, keine Urlaube, die als natürliche Raumteiler fungieren könnten.
Es fühlt sich an wie ein Marathon, den man läuft, ohne das Ziel zu kennen. Ich habe schon lange aufgehört zu laufen. Ich gehe jetzt lieber. Langsam. Immer wieder lege ich Pausen ein, um auf mich selbst zu warten. Bis ich wieder bei mir bin. In der Gruppe würde sich so ein Marathon besser laufen oder gehen. Das alleine gehen macht müde und grantig. In der Gruppe könnte man gegenseitig aufeinander Acht geben, könnte sich stützen, aufeinander warten, sich ermutigen und anfeuern weiterzugehen. Man könnte sich gegenseitig auffangen, viel besser als in der Familie, weil das Fangnetz größer wäre und gut gespannt, weil immer jemand da ist, der es hält. So gehen wir halt alleine. Jeder stolpert für sich irgendwie dahin.
Der fehlende soziale Austausch macht mich grantig.