Alfee, Ü60, verheiratet, kinderlos und kinderreich, gern kreativ unterwegs

Der Tag ohne Corona – Eine Fantasiereise

Heute ist der Tag, an dem ich frei habe von a l l e m, was mit Corona zu tun hat. 24 Stunden kann ich tun und lassen was ich will. Es ist, als ob das Virus die Welt für diesen Zeitraum komplett verlassen hat.

Schon ganz früh am Morgen mache ich mich auf, klingel meinen Lieblingsmenschen und Freunde aus dem Bett und gemeinsam fahren wir auf´s Land, der Sonne entgegen.
Ein leichter Wind weht, gerade richtig für mein Vorhaben heute.
Endlich – endlich nehme ich mir die Zeit, mir einen langgehegten Wunsch zu erfüllen.
Es ist genau der richtige Tag dafür, das spüre ich schon jetzt.

Am Zielort angekommen, setzen wir uns erst einmal zu einem Frühstück zusammen und genießen auf der Parkbank bei Kaffee und Brötchen die Morgensonne. Wir reden nicht viel, sind noch etwas müde und überlassen uns dem Moment.

Dann suchen wir die Wiese, die man mir als Zielort angegeben hat. Ich spüre eine leichte Anspannung, ein wenig nervös flattert mein Herz.
Dann sehe ich die grüne Fläche, groß und weitläufig genug, hier wird es gelingen.

Weit hinten hantieren schon mehrere Menschen mit Seilen und einem riesigen Stück bunten Stoff. Er wird gerade auf dem Grün ausgebreitet, immer mehr Platz nimmt er ein. Daneben steht eine Maschine und da …. da steht auch der Korb.

Ich gehe langsam, um die Vorfreude auszukosten, aber auch, um keinen sehen zu lassen, dass ich doch ein klein wenig ängstlich bin.
Am Korb sind dicke, stabile Seile befestigt und viele Säcke mit Sand. Ich taste an ihm, versuche zu erkunden, ob er stabil genug ist. Ich muss schmunzeln, denn natürlich ist er das. Aber es gehört zu meinem Ritual, so etwas für mich zu entdecken und „einzunehmen“.
Der Riesenstoffteppich ist kunterbunt, genauso hatte ich es mir gewünscht. Leuchtende Farben für diesen leuchtenden Tag!
Ich quatsche und albere mit allen herum, komme mir vor wie ein Kind. Egal, es ist schön, sich mal wieder so zu fühlen.
Dann gehe ich in Richtung Maschine und schaue zu, wie sich die Luft in der Stoffhülle mehr und mehr erwärmt. Der Ballon richtet sich auf, wird immer dicker, Rot, Orange und Gelb entfalten sich und strahlen. Plötzlich kann ich es nicht mehr erwarten und würde am liebsten mit anfeuern

Es ist soweit: ich überwinde meine kleine innere Hürde und dann die Korbwand. Halb klettere ich, halb werde ich gezogen, sicher ein lustiges Bild für die Umstehenden. Mein Lieblingsmensch und die Freunde machen auch keine bessere Figur, doch es ist uns allen egal. Wir stehen jetzt gemeinsam im Korb und ich frage, ob man beim Abheben ein Kommando rufen darf ? „Klar“ meint unser Pilot, „es geht jetzt los“. Ich rufe so laut ich kann „Auf geht’s Leute, auf mit dem Wind, wir heben ab zu den Wolken“

Wir steigen und steigen, der Wind zieht uns hoch. Ich halte ihm die Nase hin und schicke den Blick voraus, die Augen blinzelnd in der Morgensonne. Alles unter uns wird kleiner und entfernt sich. Ja, „alles was uns wichtig erscheint, wird plötzlich nichtig und klein“ singt Reinhard Mey. Ich greife nach dem edlen Schnaps aus meinem Rucksack, wir stoßen an und singen laut „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein…“ Wir gröhlen es aus lauter Lebenslust und Freude.

Wir werden immer weiter gezogen und getrieben vom Wind. Wir überqueren Landschaft, Berge, Wiesen mit winzigen Kühen, hören einen Hund bellen, der die Schafe zusammentreibt oder sehen kleine Menschen, die uns winken. Kinder schreien uns begeistert etwas zu, doch wir verstehen es nicht. Macht nichts, wir winken ihnen einfach.
Ich möchte alles festhalten und fotografiere in alle Richtungen.

Als wir am höchsten Punkt und den Wolken wirklich nahe sind, kommt es uns vor, als werden wir leichter und leichter. Luft durchströmt uns ganz selbstverständlich und wird durch keine Maske aufgehalten. Wir atmen bewusst und tief ein – Sekundenglück.

Wie auf Kommando nehmen dann alle ihre Masken aus den Taschen und wir verknoten sie miteinander. Dann werfen wir sie über Bord und lassen sie hinab segeln.
Ein Befreiungsakt – Wenigstens für diesen Tag.

Wir nähern uns dem Landeplatz und es wird nochmal spannend. Wie werden wir aufsetzen, wird es holprig oder eine glatte sanfte Landung. Wir halten uns fest und kommen der Erde immer näher. Wieder ist es eine Wiese und der Korb hüpft auf ihr herum, als hätte er ein Eigenleben. Wir werden ganz schön geschüttelt und ein wenig flattert wieder mein Herz. Aber dann sind wir gelandet, der Korb leicht schief, doch dadurch können wir gut wieder auf Händen und Füßen herauskrabbeln. Lehmige Erde und Grasflecken an Haut und Kleidung runden das Ganze ab, mir gefällt es so. Nach soviel Leichtigkeit fühle ich mich wieder geerdet.

Seile werden zusammengezogen, es wird gepackt und geräumt. Und dann … dann kommt die Taufe.
In feierlicher gemeinsamer Runde erhalten wir nach uralter Tradition unseren „Adelstitel der Lüfte“. Damit verbunden ist das Gelöbnis, den Titel auch zu führen und niemals wieder das Wort „Fliegen“ im Zusammenhang mit Ballonen zu verwenden. Darauf wird dann noch mal angestoßen und dann lange gefeiert, gesungen und getanzt.

Ihr fragt nach meinem Titel ?
Kein Problem, ich bin Prinzessin Angelika, die Eilige, die Klänge des Himmels und der Erde der Nachwelt überliefernde edle Fee, in der die Fahrt in wolkigen Höhen die Lust auf Schnaps weckte.

Ein Tag ohne Corona – wie schön er war. Auch wenn ich jetzt wieder auf der „Erde gelandet“ bin, werde ich die Leichtigkeit noch lange in mir spüren und das ist gut so.

Was wäre, wenn euch jemand einen Gutschein für einen „Tag ohne Corona“ schenkte, wie würde eurer Tag wohl aussehen ?