Mariana, 63, Single, zwei Söhne, drei Enkelkinder, wohnt in Wien

Haut- und Kontakthunger

Corona betrifft mein Leben, ganz besonders der Lockdown: meine Geselligkeit und meine Freude an Unternehmungen mit Menschen. Der Virus hat sie zum Stillstand gebracht vor allem die von Angesicht zu Angesicht. Persönliche Begegnungen fast nur noch am Handy, per Mail, Skype oder in einem Online-Treffen, welcher Art auch immer. Gelegentlich mit Mutigen ein gemeinsamer Spaziergang im Freien. Seit dem 2m Abstand noch keiner.

Gestern ist mir aufgefallen, wie sehr ich auch meine Kochgruppe und das laaange Frühstücken, genauer gesagt das Brunchen am Wochenende ohne Zeitlimit vermisse. Meine Tanzstunden in geselliger Runde. Oder gemütlich aufstehen und sich auf die Menschen freuen, die ich mag. Die ich so sehr mag, dass ich sie auch live sehen möchte. Sie umarmen möchte, das Timbre ihrer Stimme, den Geruch des Deos oder Parfum, das Haarshampoon in der Luft schnuppern kann. Ja, mit Sinnlichkeit könnte ich umschreiben, was mir fehlt. Körperkontakt.

„Hauthunger“ habe ich ein Gedicht genannt, das ich im Dezember auch auf Facebook gepostet habe, weil ich so sehr mit den alten Menschen in Pflege und Altenheimen fühlte, die derzeit keinen Kontakt und schon gar keinen Körperkontakt zu Menschen haben. Nicht einmal ein Kätzchen oder einen Hund streicheln dürfen, weil in den Heimen Haustiere verboten sind. Das erscheint mir als Strafbestand psychischer Qual.

Hauthunger
oder was fehlt unseren Alten in den Heimen,
den Kranken in den Krankenhäusern,
den Menschen, die unfreiwillig alleine wohnen?

Seit Monaten
Masken tragen.
Distanz halten.
Lächeln und
die Berührungen fehlen.
Ungestilltes Bedürfnis
nach Nähe.

Die Hirnregion,
wo das Gefühl der Einsamkeit sitzt,
vibriert, schreit.
Sie ist identisch mit dem Areal,
wo das Schmerzempfinden sitzt.

Einsam sein
tut einfach weh!