In meinem Leben ist so viel nur noch Online-Leben durch Corona. Ich frage mich, wieviel Online-Anteil mein Menschenleben wohl verträgt. Wann ist Leben noch „echtes Leben“, wenn bei allem, was passiert, ich in meiner Wohnung bleiben kann? Wie viele Erfahrungen und Empfindungen hätte ich in all dieser Zeit nicht gehabt, wenn es die Online-Möglichkeiten nicht gäbe? Kann ich überhaupt noch offline leben, wenn das wieder erlaubt ist?
Rückblickend ist die Corona-Zeit nun, Anfang Februar 2021, schon fast ein Jahr lang und ich habe im ersten Lockdown bis vielleicht Pfingsten 2020 nahezu ausschließlich online gelebt. Im Homeoffice gearbeitet. Online oder telefonisch mit meiner Familie und mit Freunden mich ausgetauscht. Online war vor allem die Arbeit. So sehr viel, viel mehr als vor Corona. Ich war oft so sehr erschöpft.
Trotz aller eingefrorener, echter Begegnungen war Leben aber trotzdem weiterhin offline. So fühlte es sich an. Obwohl Begegnungen sehr reduziert waren, war das im ersten Lockdown kein so großer Gegensatz zu anderen Zeiten. Auch da bin ich mit meinen Freunden oft auch nur telefonisch im Kontakt. Der Sommer kam. Ein bisschen mehr war möglich. Trotzdem Abstand. Keine Partys. Keine Konzerte. Keine langen Freundesnächte an lauen Sommerabenden. Und doch auch: meine Geburtstagsparty mit Familie auf dem Balkon und eine Extrafeier mit ein paar wenigen Freunden. Die Silberhochzeitsgartenparty meiner Schwester und meines Schwagers bei Traumwetter im Spätsommer.
Und dann … Immer mehr Lockdown. Immer weniger draußen sein. Immer, immer größerer Online-Anteil. Weihnachten mal anders. Keine große Familienfeier. Im Januar nur noch Online-Leben (außer Einkaufen und Lieferdienste keine Begegnungen). Und immer wieder Verlängerung des Lockdown.
Das immer mehr gekappte Außenleben zeigte mir sehr deutlich, dass ich nach innen gehen muss. Will. Kann. Darf. Wie ein Keim, der in der Ruhephase der Winterzeit in seiner kleinen Kapsel alle Kräfte konzentriert, bündelt, fokussiert. Wenn Zeit dazu ist, nach draußen zu gehen, entsteht neues Leben. So fühlt es sich gerade an: ich darf, kann, muss sehr sorgsam sein mit mir, wieviel online und von außen in mich eindringen ich zulasse. Wenn ich nicht achtsam bin, bin ich so erschöpft von dem, was in mich eindringt. Manchmal habe ich das Gefühl, dass über die Kopfhörer und Lautsprecher in den Online-Meetings das Außenzeugs viel mehr in mich hineindringt, als es beim Lärm des Offline-Lebens der Fall gewesen wäre.
Ich brauche wohl wie ein Keim, den Rückzug: In diesem bündele ich alle meine Energie. Ich stärke mich. Pflege den Kern. Richte mich weiter und noch präziser aus. Erkenne immer klarer, was meins ist. Ich beginne, das zu leben – Stück für Stück. Online und offline. Respektvoll. Ehrlich. Sanftmütig. Dienend.