Ich komme mit der Zeitrechnung nicht mehr mit, macht auch nichts,
denn ich arbeite ganz normal oder fast.
Im Büro, unterwegs, bei Firmenbesuchen, es ist fast alles normal.
Gut, weil mir die Decke so nicht auf den Kopf fällt und mir eine Form von Sicherheit gibt.
Die andere Seite ist, dass ich sonst kaum jemanden sehe oder treffe.
Meine Eltern nicht, meine Kinder nicht, meine Enkeltochter nicht.
Sehr dual, alle darf ich sehen nur meine Familie nicht aus Schutz.
Vor wem, mir, vor Ihnen, manchmal bekommt mein Kopf das nicht hin.
Mein Gefühl will das nicht verstehen. Mir war eigentlich schon vor Corona der Kontakt zu Freunden und Familie zu wenig, weil die Arbeit alles aufgeschluckt hat.
So bin ich die ideale Wirtschaftstreibende, stets verfügbar und dabei doch irgendwie dankbar, dass es so ist.
Ich kann und will es mir gar nicht vorstellen, wenn wie bei vielen alles wegbricht, nicht geht, man nichts tun kann und darf. Mein Mitgefühl mit anderen ist groß.
Es hat sich viel getan seit 1 Jahr.
Wer hätte das gedacht 1 Jahr auf und zu und auf und zu.
Ich frage mich was wir für Themen haben werden, wenn Corona vorbei ist.
Ob wir mehr Zeit mit Menschen verbringen werden, die uns nahe sind?
Ob die Geschwindigkeit, die Anforderungen sich schneller und schneller drehen werden.
Noch schneller, weil es ja nun erforderlich ist, aufzuholen, nachzuholen?!
Ich bin gespannt, ob ich es schaffe mich nicht selbst zu überholen.
Mein Tempo zu gehen. Mein Tempo, das mir tut gut, im Kopf, im Körper, der Seele.
Schnelligkeit trotz Muse. Lebendigkeit trotz Muse.
Muse was ist das für ein Wort. Von der Muse geküsst.
Muse bedeutet Inspiration, Eingebungsquelle.
Corona oder die Zeit der Isolation hat hierfür ein Manko bedeutet.
Auf der einen Seite zum Nachdenken angeregt und doch eine Leere hinterlassen,
die ohne Entspannung da war. Sprich keine inspirierende Leere in der Kreativität entsteht.
Oder doch nur anders.
Die Welt hat sich rasend in punkto Online verändert, oder besser gesagt mit der Onlinewelt?
Diese ist so selbstverständlich eingezogen, wie auch gezwungener Maßen.
Die Dualität der Plus und Minus Seiten ist hier auch gegeben.
Es spart die Zeit der Anreise, aber ich verliere auch die Inspiration der Reise.
Auch wenn es nur eine alltägliche Anreise ist, der Blickwinkel verändert sich und bringt Lachen oder auch andere Emotionen ins Gesicht.
Ich bleibe dabei, ein Treffen, ein Meeting real ist tausend Mal intensiver als ein Onlinemeeting.
Zwischen den Worten stehen Worte. Im Körper, im Gespür, in der Haltung,
zwischen den Zeilen schwingt etwas was Online, per Telefon etc. nicht oder kaum wahrnehmbar ist.
Das ist es vielleicht auch das, was uns fehlt, wenn wir sagen „wir wollen wieder „Normalität“, das fehlt uns Allen – das Gefühl zwischenmenschlicher Schwingungen,
von der Umarmung, Berührung ganz zu schweigen.