Katrin Schuh, wohnhaft im Kreis Balingen, Deutschland, Clownin, Kursleiterin für Encausticmalerei ,62 Jahre alt, im Haushalt lebende 89jährige Mutter, ihr Mann (Pensionist), ihr Hund und zeitweise ihr 26jähriger Sohn

Was mir so sehr fehlt in dieser Pandemie

So gerne umarme ich meine Freunde und meine Familie und jetzt soll ich und kann ich kaum noch jemanden umarmen. Dieses in die Arme schließen, den Anderen spüren fehlt mir. Spüren wie die Arme des Anderen mich umschließen. Manchmal mache ich die Augen zu und stelle es mir vor.

Ich telefoniere mit meiner Freundin, die ich sonst auch nur zweimal höchstens viermal im Jahr sehe. Wir erzählen uns wie es uns geht , was uns bewegt und glücklich macht.
Meine Freundin erzählt von ihrer dreijährigen Enkelin und ich sehe vor mir wie sie die Kleine in die Arme schließt. Die Kleine lacht und drückt die Oma zurück, mit ihren kleinen Armen. Egal was meine Freundin mir erzählt ich sehe die Umarmung. Wenn wir unser Telefongespräch beenden dann sagen wir uns gegenseitig; Ich umarme dich herzlich.
Wieder spüre ich, mit geschlossenen Augen und stelle es mir vor wie schön es ist wenn wir uns drücken.

Die Menschen die mir beim Spaziergang begegnen, die ich kenne und sonst auch drücke, bekommen ein herzliches Lachen und eine Luftumarmung. Wir wissen es ist jetzt halt nur so möglich.

Wie gerne würde ich meine alte Mutter umarmen. Sie lebt nun schon seit 9 Jahren bei uns und doch in ihrer eigenen Welt. Wir sitzen jeden Tag zusammen am Tisch und reden zwar aber verstehen uns nicht. Sie hat den „Abwehrkreis“ um sich herum noch dichter gemacht. Sie versteht das Alles in dieser seltsamen Zeit nicht mehr. Abstand halten heißt für sie auch Abstand zur Familie. Auf jeden Fall Abstand zu mir. So empfinde ich es.

Weihnachten, Silvester ja da haben wir uns umarmt. Pflichtumarmung ohne ein herzliches Gefühl?

Die schönste Umarmung im Moment ist für mich die Umarmung meines Sohnes. Jetzt war er schon vier Wochen nicht mehr zu Hause. Ich freue mich auf seine starken Arme unter denen ich, kleine Mama, verschwinde. Bald kommt er wieder.

Ein ganzes Jahr habe ich mein liebes Patenkind nicht umarmt. Sie wohnt direkt neben mir und wir sehen uns fast täglich im Garten. Ich schaue aus dem Küchenfenster zu Ihrer Haustür. Immer wenn ich sie kommen sehe würde ich am Liebsten hinausrennen und sie umarmen. Wir wissen aber beide das es im Moment besser ist dies nicht zu tun. Dabei ist mein Patenkind ein richtiges Umarmungsmädchen und Knuddelkind. Sie hat ihre jüngere Schwester, die sie nicht so gerne umarmt in pubertären Zeiten. Ihre Eltern und mich drückt sie immer gerne.

Unser „Zwischenkontakt„ ist mittlerweile unser Hund den sie streichelt und umarmt und ich spüre über den Hund die liebevolle Umarmung.

Lara hat ein Pferd zum drücken und umarmen. Ich denke das ist in dieser Zeit für sie sehr wichtig. Wie glücklich sie mit ihrem Pferd ist haben wir bei einem gemeinsamen Pferdespaziergang erlebt.

Jetzt waren schon so viele Festtage, Geburtstage ohne Umarmung. Wie mir das fehlt.

Heute hat Lara Ihren 15.Geburtstag. Wir feiern normalerweise zusammen. Wir treffen uns auf unserer Terrasse. So haben wir es verabredet. Ihre Freundin Marie ist dabei die ich auch schon seit vielen Jahren kenne.
Sarah bringt zwei Teller Kuchen. Ich überreiche Sarah ihr Geburtstagsgeschenk mit großer Geste. Mein Geschenk habe ich spannend verpackt. Wir machen eine Luftumarmung. Lara ist vernünftig und ich auch.
Sie packt ihr Geschenk aus, die erste Schachtel, die zweite Schachtel und in der dritten Schachtel in Seidenpapier verpackt ist die Glaskugel in der die Haare ihres Pferdes eingeschlossen sind. Sie strahlt über das ganze Gesicht. Cool !! In dem anderen Seidenpapier ist ein türkisfarbenes Glasherz mit einer Blume verziert.  Ich kann es kaum erwarten bis sie das Herz umdreht.
Auf dieser Seite steht der Name ihres Pferdes. Prydi. Sie strahlt und ist total überrascht, glücklich. So habe ich sie schon lange nicht mehr erlebt. Es macht mich glücklich sie so zu sehen.
Das Geschenk ist ein Volltreffer. Und dann …. es geht nicht anders, fallen wir uns in die Arme. Ein Moment ohne Gedanken an Abstand, ein Moment wie früher selbstverständlich. Wir umarmen und drücken uns. Es musste jetzt einfach so sein. Welch ein Glücksgefühl für uns beide.

Manchmal liege ich in meinem Bett und ziehe die Decke ganz eng um mich und stelle mir vor es sind Arme dich mich umschließen, die mich drücken und mir zeigen das ich liebenswert bin. Das kann man natürlich auch anders zeigen. Mit Worten und Gesten usw. und doch ist eine Umarmung durch nichts zu ersetzen. Dann umarme ich in Gedanken die ganze Welt und hoffe es spürt ein jeder , dem eine Umarmung fehlt, diese, meine herzliche Umarmung.

Wir werden uns alle wieder umarmen, aber vielleicht mit mehr Ehrlichkeit, mehr Freude, Glück und Zufriedenheit.
Schon vor Corona habe ich nicht jede Umarmung als angenehm empfunden.

Eine herzliche, ehrliche Umarmung das wünsche ich mir von Herzen die sollten alle Menschen bekommen.

Übermorgen ist es soweit. Ich freue mich!