Elfriede, 58 Jahre, Mutter/Witwe, 4 erwachsene Kinder , Großstadt, Coachin

Welche Vergangenheit oder Zukunft schwingt in mir?

‚Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, den in ihr gedenke ich zu leben.‘
(Albert Einstein)

Ich betrachte das Scharnier, welches euch beide verbindet. Genau jetzt – hier – schreibe ich und mein tiefster Impuls ist, jenes Verbindungsteil = die Gegenwart = einzureihen. Ihr Drei und all die Zwischenzeiten stellt euch Dominosteinen gleich auf. Kommt der Erste in Bewegung fällt er in den nächsten Stein. Wenn das Prinzip stimmt. Wenn die Anordnung perfekt war.

Wenn ich diesen Vergleich mit den Klötzchen auf mein Leben übertrage, macht das Sinn?

Es täuscht mich. Ich spüre dieses Hin und Her. Zeiten halten keine Reihung ein. Sie waren niemals in militärischer Grundausbildung, in welcher genau festgelegt ist, wie ein Tag/eine Nacht abzulaufen hat, oder wie ein Gewehr  in wilder Raserei zusammengebaut und wieder zerlegt wird.

Ich liebe dich – du – dich – meine Vergangenheit. Hast nicht gerade du mich zu der geformt, die ich bin? Hast nicht genau du mir immer wieder Lust auf das Morgen geschenkt?

Dieser magische Moment, wenn ich die Schatzkiste meiner Seele öffne, um an den wohl verwahrten Köstlichkeiten zu schnuppern, oder eine Zeitreise zu machen. Ich weiß sehr genau, wann und wo diese begann, oder nein das stimmt nicht. Ich war mit Sicherheit dabei und dennoch fehlt mir die Erinnerung daran, während so viele andere, Kindergartenkindern gleich, welche auf dem Bankerl sitzen und warten, bis ihnen die Schuhe geschnürt oder geklettet werden, angeschaut werden wollen.

Wie lange werden mich diese vergangenen Zeiten begleiten? Werde ich in der Zukunft nach und nach den Palast meines Lebens verlassen? Durch diesen sause ich die langen Flure entlang, öffne eine Türe nach der anderen, schau einer Maus oder einer Löwin gleich hinein, verweile, oder auch nicht. Schleudere Türen zu, schließe sie sanft oder lasse sie weit geöffnet.

An wie viele Räume werde ich mich erinnern?
In welche wünschte ich, zurückkehren zu können?
Welche möchte ich nie wieder betreten?

„Sag mir, sag mir sofort! Was ist dir wichtiger? Vergangenheit oder Zukunft?“ Nein, wer auch immer glaubt, euch zwei trennen zu müssen, irrt! Das ist doch so, als ob du einen Menschen zerteilst.

Unterkörper = Vergangenheit
Bauch = Gegenwart
Oberkörper = Zukunft

Ich liebe sie = meine Vergangenheit
Ich liebe sie = meine Gegenwart
Ich liebe sie = meine Zukunft

Genau jetzt ist da dieses kollektive ‚wasauchimmer‘. Ich war versucht, Monster zu schreiben und sofort war da die Frage: ‘Ist das Monster nun drinnen oder ist es draußen?‘ Werde ich diese Zeit überspringen? Ja, irgendwie schon. Irgendwie fängt alles neu an. Die Welt liegt in den Wehen. Wer ist die Hebamme? Darf ich mitgebären?

Sanft schiebe ich meine Höflichkeit zur Seite und mache es. Ich habe das Glück gebucht. Damit werde ich mich ab Juli ein Jahr lang intensiv beschäftigen. Dann werde ich große Empfänge geben. Kommt! Setzt euch an meinen Tisch, auf meine Picknickdecke, auf die Bank da vorne – kostet! Oh, wie himmlisch schmecken sie – die Wolken mit einer Prise Himmelblau und Sternenbrösel.

Vergangenheit oder Zukunft?
Vergangenheit und Zukunft?
Zukünftige Vergangenheit – ja genau, das passt.

‚Ich liebe meine Krisen und doch hätte ich gut darauf verzichten können.‘ sage ich mir, meinen Lieben, meinen Klienten.

Was trägt mich? Was trägt mich jetzt?

Rein physikalisch sind das meine Beine, meine Füße, Nerven, Muskeln, Blutbahnen, Gehirnströme und ähnliches. Die Überschneidung findet in der Physis statt. Die Seele wohnt wo genau?

In der Vergangenheit war ich alles mögliche – phasenweise provozierend unmöglich. Jetzt beweise ich tiefe Verwurzelung mit einem Stamm, der hoch hinauf gewachsen ist und jedes Blatt, jede Blüte, jede Frucht ist für die Zukunft.

Pantherei – alles fließt.
Welches ‚Morgen‘ möchte ich haben?
Welches ‚Morgen‘ brauchen wir?

Mutter Erde liegt in den Wehen. Es ist eine schwierige, schmerzvolle Geburt und doch wird sie ihr Kind lieben.

‚Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, den in ihr gedenke ich zu leben.‘
(Albert Einstein)