Ich bin eine Schweigehöhlenbewohnerin geworden.
Von außen betrachtet sehe ich ganz normal aus.
Doch ich fühle mich aufgepustet.
Wie ein Luftballon.
Manchmal stelle ich mich vor den Spiegel, um zu sehen, ob ich noch bin.
Ob ich noch ich bin.
Von außen betrachtet sehe ich ganz normal aus.
Was macht, dass ich mich so luftballonig fühle?
Vielleicht sind es die Worte, die in mir wachsen?
Die groß werden und immer größer?
Vielleicht sind es die Worte, die in mir an meine Grenzen stoßen, mal rechts in meine Seiten boxen, mal links, die in mir aufsteigen, auf meinen Kehlkopf drücken? Die raus wollen?
Sind sie es, die mich aufpusten? Die Worte in mir?
Ich horche in mich. Leise nehme ich ihr Stoßen wahr, bong, bong, bong… mit langem Nachhall.
Die Worte klettern in mir hoch. Manchmal schubsen, drängeln, zetern sie. Der Druck auf meinen Kehlkopf wächst.
Kann das endlos so gehen? Wann platze ich?
Ich öffne den Mund. Will freigeben, loslassen, was aufsteigt.
Doch die Worte folgen mir nicht. Jetzt verharren sie erschreckt. Stecken im Brustraum fest und machen das Atmen schwer. Verhaken sich im Hals und machen das Schlucken schwer. Rutschen zurück in den Bauch und lassen Übelkeit aufsteigen.
Los, nun zieht doch aus! Seht ihr nicht das geöffnete Tor?
Sie haben sich zurückgezogen. Keines ist mehr zu sehen. Doch ich spüre sie. Tief in mir sitzen sie, manche in harten Klumpen, manche einzeln, spitz und scharf. Sie tun mir weh.
Warum seid ihr nicht hinausgekommen als das Tor weit offenstand?
Wie viele Worte verstecken sich in meinem Schweigen?
Wie viele Schreie verbergen sich in meinem Verstummen?